Das Bild zeigt den Hautausschlag beim Mastzellen-Aktivierungssyndrom (MCAS)
Foto: ©MCS Rosenheim

Mastzellen sind Teil des Entzündungs- und Abwehrsystems. Bei MCAD (Mast Cell Activation Disease) kommt es zu deren krankhaften Überaktivierung.1) Die Prävalenz von MCAD in der deutschen Bevölkerung beläuft sich auf ca. 17 %. Dies ist wahrscheinlich auf das häufige Auftreten des MCAS-Subtyps zurückzuführen. Es gibt Hinweise darauf, dass MCAS eine Ursache für verschiedene häufige klinische Erscheinungsformen sein kann, z. B. bei Untergruppen von Patienten mit Fibromyalgie und Reizdarmsyndrom.2) MCAD  ist eine chronische Multisystem-Erkrankung und oft Begleiter anderer Unverträglichkeiten, Allergien oder Krankheitsbilder.1)3)

Hier finden Sie einige Hinweise zu (Datum der letzen Aktualisierung):

Mastzellen: Die Hauptschalter des Immunsystems (13.08.2022)

SUBTYPEN der Mastzellenaktivierungserkrankung: (Thema/Datum der letzen Aktualisierung):
Mastozytose (23.10.2022)
Mastzellenleukämie [MZL] (13.08.2022)
Mastzellenaktivierungssyndrom [ MCAS] (23.10.2022)

Mastzellen: Die Hauptschalter des Immunsystems [1]

Mastzellen gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen. Sie sind  also Teil des Immunsystems und entstehen im Knochenmark. Von hier aus starten sie ihre Reise durch den Organismus und setzen sich im Gewebe und in Organen der (Ab-)Grenz-Regionen ab: Haut, Binde-gewebe, Atemwege, Darmschleimhaut, Nerven und Gefäße. Die Mastzellen arbeiten als „Wächter“ und dienen innerhalb des Immun-systems als warnende Informationskette, um die Abwehr von Bakterien und anderen schädlichen Eindringlingen zu unterstützen. Dazu sind sie mit entsprechenden Botenstoffen angereichert.[2]

In diesem YouTube-Video erklärt Dr. Goetz was Mastzellen sind:

Die Mastzellen verfügen also über eine sehr wichtig Aufgabe. Sie müssen körperfremde Stoffe erkennen und sofort die gesamte Umgebung in Alarmbereitschaft versetzen. Stellt eine Mastzelle einen Angriff durch Allergene oder andere Fremdstoffe fest, werden frisch synthetisierte und gespeicherte Botenstoffe freigesetzt.[2]

Bestimmte Genmutati­onen in Mast­zellen führen dazu, dass diese empfindlicher und damit leichter aktivierbar werden, oder dass sie sogar dauer­aktiviert sind. Diese krankhaft veränderten Mast­zellen setzen verstärkt Histamin und andere Media­toren frei, schon bei völlig harmlosen äusseren Reizen oder auch spontan, ohne äussere Einflüsse, was zu zahllosen Fehl­regulatio­nen und Fehlalarmen im Stoff­wechsel führt. Die Mediatoren alarmieren nebst anderen Zielzellen auch die gesunden Mastzellen, die darauf ebenfalls mit Mediatorfreisetzung reagieren (Signalverstärkung), bis mit der Zeit der ganze Körper, das ganze Immunsystem, in einen schweren Krankheitszustand versetzt werden könnte.[3]

„In der Immunologie galt die Mastzelle als Bösewicht, und teilweise stimmt das auch: Keine andere Zelle des Menschen kann den eigenen Organismus so schnell umbringen. Ihre zentrale Rolle beim allergischen Schock macht die Mastzelle zur tödlichsten Zelle des Körpers“, Prof.  M. Maurer, Allergie-Centrum der Charité Berlin.[1]

Die Mastzellen enthalten ca. 200 bioaktive Stoffe. [4] So setzen sie z. B. frei [4][5]

  • Heparin, um im Falle einer Schnittwunde das sensible Gleichgewicht zwischen Blutgerinnung und deren Verhinderung zu unterstützen
  • Wachstumsfaktoren zur Wundheilung
  • Und auch Histamin
    • das maßgeblich an allergischen Reaktionen beteiligt ist
    • das unmittelbare Reaktionen auf Verletzungen auslöst (Erweiterung u. Durchlässigkeit der Blutgefäße) und auch Rötungen, Schwellungen oder Juckreiz hervorruft
    • sowie mögliche Kopfschmerzen, Übelkeit oder Durchfall (-> wechselseitige Beeinflussung von Nerven- und Mastzellen)

Bei starkem Stress werden die Mastzellen aktiviert

Mastzellen sitzen an einer Schnittstelle zwischen Nerven- und Immunsystem. Passend dazu verfügen sie über Rezeptoren für Neuropeptide, etwa Substanz P. Mit anderen Worten: Die Degranulation von Mastzellen kann auch über Nervenreize vermittelt werden. Was bei der Infektionskontrolle möglicherweise sinnvoll sein kann, das kann bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen zum Problem werden:

„Wir wissen, dass zahlreiche chronisch-entzündliche Erkrankungen sich unter Stressbedingungen verschlechtern“, so Maurer.

Die These wäre demnach, dass Stress über eine lokale Freisetzung von Neuropeptiden Mastzellen aktiviert, was eine Verschlimmerung der chronischen Entzündung zumindest begünstigt.[1]

Mögliche Formen einer Mastzellenerkrankung [3]

zu denen Sie im Nachgang weitere Informationen auf dieser Seite finden:

  • Mastozytose
    -> Seltene Form der MCAD
  • Mastzellenleukämie (MZL)
    -> Seltenste Form der systemischen Mastozytose
  • Mastzellaktivierungs-Syndrom (MCAS)
    -> häufige Form der MCAD

Mastozytose

Der Begriff Mastozytose bezeichnet eine seltene Krankheit, bei der zu viele Mastzellen im Körper vorhanden sind.Experten schätzen, dass in Deutschland lediglich etwa 500 bis 800 Menschen jährlich neu an Mastozytose erkranken. Diese verläuft i.d.R. gutartig und äußerst sich vor allem durch einen Ausschlag auf der Haut – wie bei einer Allergie.[4][5]

Das auffälligste Symptom sind kleine braun-rote Flecken auf der Haut, die meist zu finden sind an den Oberschenkeln oder am Rumpf . Der Grund: Mastzellen befinden sich vor allem in der Haut, der Lunge und dem Magen-Darm-Trakt und können u.a. den „Allergiestoff“ Histamin ausschütten. Dieses führt an der Haut zu den typischen Allergiesymptomen, wie etwa Quaddeln, Juckreiz und Rötung. Darüber hinaus kommt es häufig zu unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Magen-Darm-Problemen. Einige Patienten berichten auch über Knochen- und Muskelschmerzen sowie Abgeschlagenheit. Es können Herz-Kreislauf-Symptome bis hin zu Anaphylaxie auftreten. Die Symptome sind also vielfältig und können evtl. auch an eine Fibromyalgie oder ein Reizdarmsyndrom erinnern.[1][4][5]

Warum sich bei einer Mastozytose vermehrt Mastzellen ansammeln, kann verschiedene Gründe haben – entweder weil die Mastzellen

  • krankhaft wachsen,
  • sich unkontrolliert vermehren
  • oder außergewöhnlich lange leben. [4]

Man unterscheidet zwei unterschiedlichen Formen der Mastozytose:[5]

  • die systemische Mastozytose, hier treten die Mastzellen gehäuft in inneren Organen und im Knochenmark auf
  • die kutane Mastozytose oder Hautmastozytose, bei der ausschließlich die Haut betroffen ist

Manchmal bleibt eine Mastozytose lange symptomlos und damit unentdeckt. Beschwerden treten erst auf, wenn die Mastzellen ihre Inhaltsstoffe ausschütten – dazu sind bestimmte Reize (sog. Trigger) nötig. Wird dann schlagartig Histamin freigesetzt, kommt es zu akuten Beschwerden. [4]

Die Symptome können ausgelöst werden durch: [3]

  • Alkohol
  • scharfe Gewürze
  • bestimmte Nahrungsmittel und -zusatzstoffe
  • (emotionaler) Stress
  • Infektionskrankheiten
  • Medikamente: Morphinderivate, Narkosemittel, Narkosegase, Kodein, Lokalanästhetika, Chinin, Amphotericin B, Acetylsalicylsäure (ASS) etc.
  • Insektengifte (Biene, Wespe), Schlangen- und Quallengifte etc.
  • allergische Erkrankung (Allergene aller Art)
  • physikalische Auslöser: Anstrengung, Sonnenlicht, Kälte, Wärme, Reibung

Das Auftreten von Beschwerden und die Relevanz von auslösenden Faktoren sind individuell sehr unterschiedlich.[5] Für jeden Patienten ist es wichtig, seine individuellen Auslöser zu kennen und zu meiden.[4]


Obwohl das von den Mastzellen produzierte Histamin eine wichtige Rolle bei allergischen Reaktionen spielt, handelt es sich bei der Mastozytose nicht um eine Allergie! Eine Mastozystose stellt eine Krankheit dar, bei der im Körper zu viele Mastzellen vorhanden sind.[4]

Ergänzende Literatur und hilfreiche Links z.B.

Infoportale und Selbsthilfegruppen:

Mastzellenleukämie (MZL)

Weniger als 0,5 % aller Mastozytosefälle entsprechen einer Mastzellenleukämie (MZL). Damit ist dies die seltenste Form der systemischen Mastozytose, sie gilt sogar als die seltenste Leukämieform des Menschen überhaupt. Per Definition sprechen Ärzte von einer Mastzellenleukämie, wenn sich im Knochenmarkausstrich mehr als 20 % Mastzellen befinden. Auch im Blut zeigt sich bei der typischen Mastzellenleukämie eine deutlich erhöhte Anzahl an Mastzellen (mehr als 10 % der zirkulierenden Zellen sind Mastzellen). Die Folge: Durch den Mangel an gesunden Zellen im Körper können viele Organe nicht mehr einwandfrei funktionieren.[1][2] Weiterführende Informationen finden Sie z.B. in den unten verlinkten Quellen.

Mastzellenaktivierungs-Syndrom (MCAS)

Bei MCAS handelt es sich um eine häufigere Form einer Mastzellen-erkrankung.[5] Es ist eine immunologische Erkrankung, bei der Mastzellen unangemessen und übermäßig Mediatoren freisetzen. Das führt zu:

  • einer Reihe chronischer (meist entzündlicher) Symptome
  • z.T. zu anaphylaktischen/anaphylaktoiden Schocks
  • der Entwicklung chronisch-entzündlicher Folgeerkrankungen

Die Symptome ähneln der Mastozytose. U. a. tritt MCAS oft gemeinsam auf mit CFS/ME. [1][3]

Symptome können durch Trigger ausgelöst oder verschlimmert werden, welche individuell sehr unterschiedlich sind. So z. B.:[1]

  • bestimmte Nahrungsmittel (insbes. histaminreiche Nahrungsmittel)
  • bestimmte Getränke (insbes. Alkohol)
  • Histaminliberatoren
    (auch in Form von Nahrungs-Zusatzstoffen, wie z. B. Sulfiten)
  • Temperaturextreme und -wechsel (Hitze, Kälte, Sauna etc.)
  • Gerüche in der Luft (einschließlich Parfüm oder Rauch)
  • körperliche Betätigung oder Anstrengung (z. B. Sport, Gartenarbeit)
  • emotionaler Stress
  • hormonelle Veränderungen (Schwangerschaft, Menstruation)

Die ausgeschütteten Mediatoren rufen verschiedenste Symptome hervor. Sie treten systemisch auf, also im gesamten Körper. Zu den möglichen Beschwerden gehören unter anderem [1][2][3][4]

  • Atemnot
  • Bauchkrämpfe, Reizdarm
  • Blutungsneigung
  • chronische Erschöpfung
  • chronische Schmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen, Muskelzittern
  • Hautausschlag
  • Juckreiz
  • kardiovaskuläre Probleme
  • (Nahrungsmittel)Unverträglichkeiten
  • neurologische Beschwerden
  • neuropsychiatrische Auffälligkeiten wie Depressionen und Panikstörungen
  • oral/dentale Probleme
  • Sehstörungen
  • urogenitale Probleme

Auch bei Autoimmunerkrankungen, Autismus, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Asthma, Histaminintoleranz, Allergien und dem Chronischen Erschöpfungssyndrom könnte ein MCAS vorliegen.[4]

MCAS und Mastozytose [1]

  • gleichen sich in der Auswirkung auf den Körper, Symptomatik und Therapie
  • unterscheiden sich hinsichtlich der Diagnosekriterien

Im Gegensatz zur Mastozytose besitzen MCAS-Patienten [1]

  • eine normale Zahl an Mastzellen,
  • deren Funktion jedoch gestört ist
  • und die sich hyperreaktiv verhalten

Bisher wird diese Erkrankung trotz ihrer Häufigkeit selten erkannt und diagnostiziert. [2]

Begründet ist dies

  • in der Vielzahl der möglichen (und vorübergehenden) Symptome
  • in den erforderlichen Konsultationen unterschiedlicher Fachärzte
  • in der z.T. noch fehlenden Bekanntheit und Akzeptanz des Krankheitsbildes [3]

Betroffenenbericht: Allergisch gegen ALLES

Ein Leben im ständigen Risiko eines Allergie-Schocks. Nachfolgender Button führt Sie bequem zu dem 5-minütigen Video-Beitrag, der 2019 von taff ausgestraht wurde:

Betroffenenbericht: Ein Leben mit Geruchsallergie

Ein Teenager reagiert allergisch auf bestimmte Gerüche, was sogar tödlich enden kann. Ein Beitrag von Galileo / Pro Sieben (Dauer 11 Min.), den Sie hier auf YouTube aufrufen können:

Die Diagnosefindung [3]

Zur Vorbereitung: ein (hier verlinkter) Fragebogen der Universitätsklinik Bonn. Diesen können Sie bei einem entsprechenden Verdacht ausfüllen und zum Arztgespräch mitnehmen.

Laborwerte: Beim Verdacht auf MCAS ist meist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Er kann Laborwerte ermitteln lassen und zu gastroenterologischen Untersuchungen weiterverweisen.

  • Blutwerte (Serum-Tryptase, Chromogranin, Histamin)
  • Urinprobe (N-Methylhistamin)
  • Gewebeproben (Stufenbiopsien aus Magen-Darm-Trakt, Antikörper gegen CD25)

Kein Ausschlusskriterium: Ein Fehlen von erhöhten Blutwerten darf noch nicht zum Ausschluss von MCAS führen. Im Gegensatz zur Mastozytose haben MCAS-Erkrankte oft eine normale Anzahl von Mastzellen.

Deutlicher Hinweis auf MCAS: Wenn sich die Symptome bei Anwendung von Antihistaminika oder anderen Medikamenten, die die Freisetzung von Mediatoren hemmen oder ihren Abbau fördern, bessern.

Der SWR odysso-Beitrag (2021) zum Mastzellenaktivierungssyndrom verschafft einen Überblick:

  • Was sind Mastzellen
  • Die Mutationen in der Moderne
  • Arztodyssee und Diagnosefindung
  • Einfluss von Stress und Aspekt Umweltgifte
  • mit Statements von Prof. Molderings und Prof. Peters

Eine Heilung des MCAS ist bisher nicht möglich. Doch die Symptome lassen sich in der Regel behandeln. Die Therapie besteht vor allem darin, die Auslöser der Mastzellen-Aktivierung zu meiden. Mastzellen können aktiviert werden durch bestimmte Nahrungsmittel und Zusatzstoffe, durch Keime, Gerüche/Duftstoffe sowie durch seelischen Stress und zu starke körperliche Belastung.[3]

Eine Ernährungstherapie erscheint bei MCAS erfolgversprechend

Beim Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) ist eine möglichst abwechslunsgreiche, entzündungshemmende und histaminarme Ernährung wichtig. Was beruhigt die Mastzellen, welche Lebensmittel sollte man meiden? In dem hier verlinkten Artikel des NDR-Ratgeber Gesundheit können Sie mehr dazu nachlesen. Sie finden hier Ernährungstipps, Lebensmittel-Listen und Rezepte. Eine kleine Hilfestellung finden Sie in der hier verlinkten Vorlage der Ernährungs-Docs für ein Ernährungstagebuch.

Ergänzende Literatur und hilfreiche Links z.B.

Infoportale und Selbsthilfegruppen:

Alle Verlinkungen auf dieser Seite haben rein informativen Charakter und stellen keine Kauf-, Bezugsquellen- oder Behandlungs-Empfehlungen dar! Eine etwaige Ableitung und Umsetzung von Therapiemaßnahmen erfolgt ausschl. auf eigene Gefahr und Verantwortung und sollte immer mit einem qualifizierten Therapeuten abgesprochen werden.
Bei den ergänzenden Literaturhinweisen handelt es sich (wie auch bei obigen Quellverweisen) um eine unverbindliche Auswahl und keinesfalls um eine vollständige Übersicht!