Elektrohypersensitivität

Elektrohypersensibilität (EHS), EMF-Syndrom, „EMF-bedingte Beschwerden und Krankheiten“: Symptome, die umgangssprachlich auf Elektrosmog zurückgeführt werden.*) Gem. Studien-ergebnissen ist EHS in 30 % der Fälle mit MCS assoziiert. In mehr als 1/3 dieser untersuchten Fälle ging MCS der EHS-Erkrankung voraus. Da dargelegt wurde, dass die Entstehung von MCS auf eine chemische Exposition und die Entstehung von EHS auf eine potenziell übermäßige EMF- und/oder chemische Exposition zurückgeführt werden kann, empfehlen die Wissenschaftler dringend Schutzmaßnahmen bezüglich dieser beiden Umweltstressoren.**) 

Was ist Elektrohypersensibilität (EHS)?

Betroffene reagieren auf Felder z.B. ausgehend von Funkmasten, Mobilfunktelefonen, Schnurlostelefonen, Computern, Leucht-stoffröhren, Elektroherd, medizinische High-Tech-Geräte etc. 

Schwache elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder (EMF) entziehen sich unserer bewußten Sinnes-Wahrnehmung. Unabhängig davon finden aber auf zellulärer Ebene Veränderungen statt, die die Gesundheit negativ beeinflussen können. Entsprechende biologische Effekte, die sich auf Befindlichkeit und das Körpersystem negativ auswirken, sind  nachweisbar.*) Dies und die verweifelte Situation Betroffener zeigt z.B. Ulrich Weiner in dieser Kurz-Dokumentation von Galileo „Elektro-Sensible: Was steckt hinter dieser Krankheit?“ (2018):

Immer mehr Menschen
entwickeln Symptome, wenn sie künstlich erzeugter elektro-magnetischer Strahlung ausgesetzt sind. EHS-Patienten stoßen meist auf Unverständnis, Unwissenheit oder Hilflosigkeit.  Wenn nicht Abhilfe geschaffen wird und die Beschwerden andauern, können sie nur noch eingeschränkt am öffentlichen Leben teilnehmen und es droht eine Erwerbsunfähigkeit.*) Die Mobilfunk-dichte schafft für Betroffene außerdem die existenzielle Frage nach gesundheitsverträglichem Lebensraum. So wandte sich auch ein EHS-Kranker aus der Rosenheimer Region 2021 hilfesuchend an die Presse, um auf das Problem aufmerksam zu machen:

Bis sich die Auswirkungen elektromagnetischer Felder als Krankheit manifestieren, vergeht in der Regel viel Zeit. Es gibt aber ernstzunehmende Beeinträchtigungen, die z.T. akut auftreten und manchmal erst zeitverzögert. Die Symptomatik ist vielfältig und betrifft multiple Organ-Systeme, i. d. R. unter Beteiligung des zentralen Nervensystems. EHS ist Teil der chronischen Multisystemerkrankungen mit Bezug zu Umwelteinflüssen.*)

Mögliche Symptome sind z.B.*)

  • Hautjucken/-brennen oder –kribbeln
  • Schlafstörungen
  • (chronische) Erschöpfung, Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck
  • Tinnitus
  • ein Gefühl von Vibrieren im Körper
  • Schwindel
  • Reizbarkeit
  • Wortfindungs- und Konzentrationsstörungen
  • Gedächtnisschwäche
  • Infektanfälligkeit
  • Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen

Weitere gesundheitliche Auswirkungen z. B.: *)

  • Störung der Darmschranke, Leaky-Gut-Syndrom
  • höhere Giftstoffabsorption
  • Neurodegenerative Krankheiten
  • Krebs (Hirntumore, Brustkrebs, Kinderleukämie)

Die Beeinträchtigungen der Lebensqualität führen ggf. zu Frustrationen, Depressionen und berechtigten Existenzängsten. 

Immer mehr Länder
beginnen, EHS als ernstzunehmende Beeinträchtigung anzuerkennen. Damit verbessert sich auch die rechtliche Lage: Abschirmmaßnahmen sind steuerlich absetzbar. Gerichte gestehen Erkrankten Unterstützungsleistungen zu. Arbeitgeber richten elektrosmogarme Arbeitsplätze ein. Übrigens: Versicherungen verweigern Mobilfunkanbietern einen Versicherungsschutz und Handyherstellern eine Produkthaftung.*)

Quellen:
*) www.diagnose-ehs.org
sowie die oben in den Button verlinkten Medien-Quellen

Besondere Risikogruppen

  • MCS-Kranke: Falls das Nervensystem durch Expositionen mit Toxinen vorgeschädigt wurde, ist der Betroffene anfälliger für EHS. (Da das Nervensystem sowohl auf Chemikalien als auch auf elektromagnetische Felder stark reagiert, ist die häufige Kombination der Krankheitsbilder erklärbar.)
  • Menschen mit Genvariationen (genetischen Polymorphismen), die die Resistenz gegen oxidativen Stress schwächen und die Entgiftungsleistung des Körpers reduzieren, scheinen deutlich öfter an EHS zu erkranken.
  • Menschen, deren Immunsystem mit Schwermetallen kontaminiert ist z.B. durch Amalgam-Zahnfüllungen oder belastete Lebensmittel. Hier wird der Körper sprichwörtlich zur Antenne, durch die die Strahlung einkoppeln kann und damit deren destruktive Wirkung erhöht.
  • Besonders empfindsam sind Schwanger, sehr alte oder sehr junge Menschen. So kann sich bei Kindern EHS u.a. in Lernschwierigkeiten äußern.
  • Vorerkrankungen wie bakterielle oder parasitäre Infektionen, z.B. Borreliose, Pfeiffersches Drüsenfieber.
  • Menschen mit Wirbelsäulenschäden, Rückenmarksverletzungen, Schleudertrauma, Gehirnschäden oder –erschütterung.
  • Menschen mit eingeschränkter Immunfunktion, Lupus oder Chronischem Fatique Syndrom (ME/CFS).
  • Menschen mit elektromagnetischen, körperlichen, chemischen und biologischen Traumata bei eingeschränktem Immunsystem.
  • Menschen mit Tinnitus. Es gibt Beweise für eine gemeinsame Pathophysiologie zwischen EHS und Tinnitus.

Quelle: Diese und weitere interessante Informationen finden Sie auf www.diagnose-ehs.org

Ermittlung des persönlichen Risikoprofils aufgrund der alltäglichen Rahmenbedingungen: ein hier verlinkter Fragebogen von www.funkstrahlung.ch

EHS-Diagnose

Bei EHS wirken komplexe Mechanismen auf Zell- und Organebene zusammen, die zur Hypersensibilisierung führen. Die Diagnose wird anhand der Anamnese und Beschwerden gestellt. Es gibt keine spezifischen Diagnostiken. Wie jemand auf EMF reagiert, ist individuell. Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Symptomatik bei De-Exposition abnimmt, wobei es auch hier zu deutlichen Verzögerungen kommen kann. Es kann Wochen, gar Monate dauern, bis der Körper in der De-Exposition zu regenerieren beginnt.*)

Ein Großteil der Kontroverse über die Ursachen von EHS und MCS ist darauf zurückzuführen, dass es an anerkannten klinische Kriterien und objektiven Biomarkern für eine allgemein akzeptierte Diagnose mangelt. Studiendaten von Belpomme et al. deuten darauf hin, dass EHS und MCS durchaus mittels handelsüblicher Tests objektiv charakterisiert und routinemäßig diagnostiziert werden könnten. Die Wissenschaftler ermittelten bei beiden Gesundheitsstörungen u.a.**)

  • entzündungsbedingte Hyperhistaminämie
  • oxidativen Stress
  • Autoimmunreaktionen
  •  capsula-thalamische Hypoperfusion
  • Öffnung der Blut-Hirn-Schranke
  • Defizite in der Melatoninverfügbarkeit

Leide ich unter EHS? Entsprechende Fragebögen zur Selbsteinschätzung (online und als pdf-Download) finden Sie z. B. hier verlinkt auf der Homepage von Elektrosensibilität.

EUROPAEM e.V. hat die (hier verlinkte) „EMF-Leitlinie zur Vorsorge, Diagnostik und Behandlung von Gesundheitsproblemen verursacht durch Elektromagnetische Felder“ (2016) veröffentlicht.***)

Inhalt: Konzepte für die Diagnose und Behandlung von EMF-bedingten Gesundheitsproblemen, zur Verbesserung bzw. Wiederherstellung individueller gesundheitlicher Folgen und Strategien für die Prävention.

Zielgruppe: Ärzte aller Fachrichtungen und Zahnärzte, Gesundheitsbehörden, Gesundheitsverwaltungen und Sachbearbeiter.

diagnose:funk führte dazu ein (hier verlinktes) Interview mit Dr. Gerd Oberfeld:***)

Diagnoseschlüssel:

Die Codierung gem. offizieller Krankheitsklassifikation des DIMDI in ICD-10 erfolgt mit Z58 innerhalb des Kapitels XXI “Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen“. (Quelle: Ärzteinformation Dr. Merz)

Weitere Hinweise finden Sie in den Fachportalen sowie z.B. auch hier auf der Homepage Elektrosensibilität.

Quellen:
*) www.diagnose-ehs.org
**) Belpomme et al. Reliable disease biomarkers characterizing and identifying electrohypersensitivity and multiple chemical sensitivity as two etiopathogenic aspects of a unique pathological disorder (2015)
***) EUROPAEM e.V. und diagnoe:funk gem. obigen Verlinkungen

Prävention und Schutz

  • EMS-Quellen ermitteln, reduzieren bzw. meiden
  • WLAN-Nutzung reduzieren (kabelgebundene Lösungen bevorzugen)
  • WIFI-abhängige Gerätesteuerung vermeiden
  • Nachtabschaltungen zur Elektrosmog-Reduzierung nutzen
  • Handy nicht am Körper tragen oder neben Kopf legen, Flugmodus nutzen
  • Leuchtmittel sorgfältig auswählen
  • Smartmeter abschirmen (1 Smartmeter stellt für den Körper eine Strahlenbelastung dar wie 160 Mobiltelefone zusammen!)
  • Richtig telefonieren: ohne DECT mit Lautsprecherfunktion
  • Körperressourcen stärken
  • Hochwertige und bedarfsgerechte Magnesiumaufnahme (natürlicher Calciumkanalblocker!)

(Verlinkte) Quelle und ausführlichere Informationen: Zentrum der Gesundheit, Onlineartikel 30.03.22

„Elektrosensibilität ist vergleichbar mit der Sensitivität auf schlechte Luft, die bei einem Menschen mit gesunden Lungen und gesunden Atemgewohnheiten ausgeprägter sein wird, als bei einem starken Raucher.“
Christian Dittrich-Opitz (Homepage)

Elektrosmog, Störzonen, Elektrosensibilität: Wie schütze ich mich? 

Dipl.-Ing. Joachim Götz im Interview (2020) hier auf YouTube:

Eine von Ulrich Weiner empfohlene Broschüre (hier verlinkt) über die „Schirmung elektromagnetischer Wellen im persönlichen Umfeld“ des Bayer. Landesamtes für Umwelt. Siehe auch weitere Tippgeber, z.B. www.diagnose-ehs.org „Elektrosmog im Umfeld reduzieren“

Ergänzende Literatur und hilfreiche Links z.B.

Ärzteverzeichnis:
https://www.elektrosensibel-ehs.de/aerzteverzeichnis/

Artikel:
Scheler K. „Was ist wirklich dran an der Gefährlichkeit von Elektrosmog?“(2019)
Mutter J., naturheilmagazin online „Krank durch elektromagnetische Strahlung“ (2018)
Wilke I.„Biologische und pathologische Wirkungen der WLAN/ WiFi-Strahlung von 2,45 GHz auf Zellen, Fruchtbarkeit, Gehirn und Verhalten (2018)“
Russel C. „
Eine 5G Wireless Zukunft: Wird es uns eine intelligente Nation bringen oder zu einer ungesunden beitragen?“ (2017)
Paracelsus Magazin „Zellen im Strahlenstress“ (2017)
Belpomme D. „EHS ist KEINE psychiatrische Erkrankung“ (2015)
Aschermann Ch. „
Wie die öffentliche Meinung über Elektrosensibilität geprägt wird in Wissenschaft und Presse“ (2014)
Klitzing, L. „Einfluss elektromagnetischer Felder auf kardiovaskuläre Erkrankungen“ (2014)
Warnke U., Hensinger P. „Steigende Burnout-Inzidenz durch technisch erzeugte magnetische und elektromagnetische Felder […]“ (Forschungsbericht 1.2013)
Pall M. „Elektromagnetische Felder wirken über die Aktivierung spannungsabhängiger Calciumkanäle, um günstige oder ungünstige Wirkungen zu erzeugen“ (2013)
-> Der Artikel
wurde als eine der besten medizinischen Veröffentlichungen des Jahres 2013 auf der Webseite „Global Medical Discovery“ ausgezeichnet

Online-Portale:
Ärzte und Mobilfunk
Bergmann W., Homepage u.a. mit Download-Optionen
https://www.buergerwelle.de/de/
diagnose:funk
www.diagnose-ehs.org
elektro-sensibel.de
https://www.elektrosensibel-ehs.de/
www.gigaherz.ch/
Kompetenzinitiative zum Schutz von Mensch, Umwelt und Demokratie  e. V. : www.kompetenzinitiative.com (mit div. Broschüren)
Verein für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte e.V. München
www.ulrichweiner.de

Studiendatenbanken:
EMF Portal
EMF:data

Online-Forum:
EHS-Forum

Auf unserer Medienseite finden Sie weitere Experten-Informationen!

Alle Verlinkungen auf dieser Seite haben rein informativen Charakter und stellen keine Kauf-, Bezugsquellen- oder Behandlungs-Empfehlungen dar! Eine etwaige Ableitung und Umsetzung von Therapiemaßnahmen erfolgt ausschl. auf eigene Gefahr und Verantwortung und sollte immer mit einem qualifizierten Therapeuten abgesprochen werden.
Bei den ergänzenden Literaturhinweisen handelt es sich (wie auch bei obigen Quellverweisen) um eine unverbindliche Auswahl und keinesfalls um eine vollständige Übersicht!