Zahlreiche Studien deuten auf eine Beteiligung des Nervensystems einschl. des Gehirns beim MCS-Krankheitsprozess hin. Viele über den Luftweg aufgenommene Fremdstoffe können zu neurologischen Wirkungen führen mit vielfältigen Symptomen mehrerer Organsysteme. Offenbar ist die luftgetragene Chemikalien-Exposition wesentlich an der MCS-Ausprägung beteiligt.  Betroffene reagieren auf diese Stoffe bereits bei bis zu 1000-fach geringerer Konzentrationen als Gesunde. Auch auf Reize wie Licht und Lärm reagieren MCS-Kranke deutlich stärker. Einer erniedrigten Stressreiz-Schwelle steht eine Flut potenzieller Umweltstressoren gegenüber. *)

Quelle:
*) Hans-Ulrich Hill, Wolfgang Huber, Kurt E. Müller „Multiple Chemikalien-Sensitivität: Ein Krankheitsbild der chronischen Multisystemerkrankungen“, Aachen: Shaker Verlag, 2010.

Hier finden Sie einige Hinweise zu (Datum der letzen Aktualisierung):
MCS und das Nervensystem (Einleitung) (03.04.2022)

TRIGEMINUS-NEURALGIE  (letzte Aktualisierung 15.05.2022)
Häufiges MCS-Symptom, die Rolle des Nervus Trigeminus in der Duftwahrnehmung und GdB-Aspekte

MCS und das Nervensystem (Einleitung)

Bei MCS-Kranken wurden Fehlfunktionen in den Teilen der Großhirnrinde nachgewiesen, die zur Verarbeitung von Geruchsreizen dienen. U.a. eine Deaktivierung von Hemmungsmechanismen bei der Geruchsreiz-Verarbeitung durch Chemikalienwirkung könnte zu einer verstärkten Geruchsreiz-Wahrnehmung führen.*) **) Bei den durch Expositionen ausgelösten Veränderungen im Nervensystem scheint es sich um Entzündungsprozesse zu handeln. Chronische Entzündungen erzeugen eine Art Dauerstress im Organismus. Damit werden die Schlafstörungen und geringe Stresstoleranz verständlich. Bei MCS zeigt sich auch eine Überreaktion von Zellen des Immunsystems, was die Vermutung bestätigt, dass es sich bei MCS um eine Überlastung der Anpassungsfähigkeit des Immun- und Nervensystems und damit des gesamten Organismus als Folge von chemischem Stress handelt. Überdurchschnittliche Stressreize stehen bei MCS-Kranken einer meist reduzierten Fähigkeit zur Stressverarbeitung gegenüber, die u. U. beeinträchtigt wird durch *)

  • fehlgeleitete Prozesse des Nerven-, Immun- und Hormonsystems
  • fehlende Entspannungsfähigkeit und Schlafstörungen
  • fehlende Ressourcen wie Vitamine, Mineralstoffe

Wie steigern sich Stress und chronische Entzündungen wechselseitig negativ und welche weitreichenden Folgen können hierdurch oft unbemerkt im Körper ausgelöst werden? Kurzvideo von Dr. Anne Karl:

Eine der sinnvollsten Maßnahmen zur Verbesserung der Stressverarbeitung ist eine Optimierung des Mikronährstoff-Status. Dieser hat auch maßgeblichen Einfluss auf eine erhöhte Entzündungsaktivität im Körper.***)

(Verlinkte) Quellen:
*) Hans-Ulrich Hill, Wolfgang Huber, Kurt E. Müller „Multiple Chemikalien-Sensitivität: Ein Krankheitsbild der chronischen Multisystemerkrankungen“, Aachen: Shaker Verlag, 2010.
**) Artikel zu Studienergebnissen Andersson L., Schweden, in aponet „Penetranter Geruch: Wenn die Nase nicht abschalten kann“ (1.2012)
***) 
Diagnostisches-centrum „Stress macht krank“ 

Störung der Stressachse

Allgemeine Stressfaktoren stellen innere und äußere Reize dar, die eine Stress-Reaktion im Körper auslösen. Eigentlich soll dieser angeborene Mechanismus den Menschen schützen und zu Höchst-Leistungen befähigen. Und das Stress-System wieder herunterfahren, wenn die akute Situation vorbei ist.

Im modernen Alltag folgt aber bei vielen Menschen ein Stressfaktor nach dem anderen (Dauerbelastung). Doch: chronischer Stress kann krank machen und wird besonders forciert durch fehlende soziale Unterstützung*). Was im Alltag als Stress erlebt wird, ist häufig eine individuelle Angelegenheit, genauso wie die Fähigkeit zur Stressbewältigung.

(Verlinkte) Quellen:
Erpenbach K., Schröder H. “Voll fertig! Bin ich nur müde oder schon krank?” VAK Verlag, 2018.
https://www.netdoktor.de/stress/stressfaktoren/
Dagnostisches-centrum „Stress_macht_krank“
*) Hapke et al. Chronischer Stress bei Erwachsenen in Deutschland“ Bundesgesundheitsbl 2013

Das vegetative Nervensystem (VNS)

Das VNS ist das übergeordnete Steuer- u. Regelsystem des Körpers und steuert viele lebenswichtige Körperfunktionen. Es wird auch als Autonomes Nervensystem (ANS) bezeichnet, da es sich weitgehend der willkürlichen Kontrolle entzieht.  Es besteht aus *) **): Dem Eingeweide-Nervensystem zwischen der Darmwand-Muskulatur, das stark von Sympathikus und Parasympathikus beeinflusst wird, die eine wesentliche Rolle spielen bei der häufigen Dysfunktion der Stressachse MCS-Betroffener:

Der Sympathikus (Anspannungsnerv) *) ***) ****)

Stress versetzt den Körper in die Alarmbereitschaft „kämpfen oder flüchten“. Der Körper befindet sich so im Modus einer extremen Anspannung, geschärfter Sinne, gesteigerter Koordination und hoher Konzentration. (-> dieser Modus unterstützt KEINE „Reparatur-Arbeiten“ und beeinträchtigt damit Therapieerfolge)

Physische Reaktionen:

  • Erhöhung Blutdruck und Pulsfrequenz
  • Erweiterung Atemwege
  • Aufbau Muskelspannung
  • Zuckerausschüttung ins Blut (-> Energie)
  • Aktivierung des Immunsystems (bei akutem Stress)
  • Hemmung Darmtätigkeit und Harnausscheidung
  • Hemmung Schmerzempfinden

Der Parasympathikus (Entspannungsnerv) *) ****)

„Erholen und verdauen“: Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe sowie die Regeneration und den Aufbau körpereigener Reserven.

Physische Reaktionen:

  • Absenkung Blutdruck
  • Reduzierung Pulsfrequenz
  • Kontraktion Atemwege
  • Entspannung Muskulatur
  • Förderung Verdauung
  • Verstärkung Harnausscheidung

Die Stress-Dominanz im Leben MCS-Kranker

Innere Stressoren allgemein, z.B. *)

  • Leistungs-/Termindruck
  • Über-/Unterforderung
  • hohe Ansprüche an sich selbst (Perfektionismus)
  • Doppelbelastungen
  • Sorgen, Ängste
  • Konflikte
  • unzureichende Erholung
  • Unzufriedenheit

Externe Stressoren allgemein, z.B. *)

  • Ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Chemikalienbelastungen
  • Umweltbelastungen
  • Schadstoffe
  • Elektrosmog

MCS-spezifische, zusätzliche Stressoren, z.B. **)

  • unausweichliche Expositionen u.a. durch Düfte (Menschen, Räume, Produkte, Alltagsgegenstände) und dadurch ausgelöste  belastende Schmerz- und Stresszustände
  • Sympathikus-Aktivierung durch Wirkung von Duftstoffen auf das Herz-Kreislauf-System
  • Flut der Umweltstressoren (Beschwerdeauslöser, Überempfindlichkeit auch ggü. Licht, Lärm)
  • toxische Belastungen bei schlechter Entgiftungsfähigkeit des Körpers
  • i.d.R. zunehmende Sensibilisierung, Chronifizierung und Regulationsstörungen, drohende gesundheitliche Abwärtsspirale (schwere Begleit-/Folgeerkrankungen)
  • Problem der zunehmenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten / Allergien (was kann ich noch essen?)
  • Gesundheitsverschlechternde Wohnsituation (wo kann ich sicher leben?)
  • Medizinische Unter- und Fehlversorgung Umweltkranker (wer kann mir helfen?)
  • Fehlende Krankenkassenleistungen für Umweltkranke (fehlende Arzneimittelgrundversorgung)
  • Unverträgliche Medikamente und (Zahn-)materialen erschweren die allgemeine medizinische Behandlung
  • Fehlende Patientensicherheit im Falle eines erforderlichen Klinikaufenthaltes
  • Drohende Erwerbsunfähigkeit bei hohen Kosten (Existenzkrise)
  • Schwierige Anerkennungsverfahren bzgl. Schwerbehinderung und Erwerbsminderungsrente
  • Wiederkehrende diskriminierende Erlebnisse im privaten/beruflichen Umfeld, bei Antragsverfahren und z. T. auch in medizinischen Bereichen  
  • Belastende Reaktionen der Umwelt wie z. B. mangelnde Akzeptanz, Verständnislosigkeit oder sogar Provokation
  • Eingeschränkte Mobilität und Reisefähigkeit (Wegfall Option öffentlicher Verkehrsmittel, unverträgliche Hotelzimmer etc.)
  • Rückzug von Vereinsleben und meiden von Veranstaltungen (Duftstoffbelastungen!)
  • Probleme bei der Alltagsbewältigung (Haushalt, Einkäufe, Arztbesuche etc.)
  • Probleme bei erforderlichen Anschaffungen (unverträgliche Stoffe, Ausdünstungen etc.)
  • Psychische Belastung (Gefühl der Hilflosigkeit u. des Ausgeliefertseins)
  • mangelnde Kontrolle, Sicherheit und Gestaltungsfähigkeit im eigenen Leben , z. B. Unfähigkeit, das Haus zu verlassen bei hoher Feinstaubbelastung („Eingesperrt“)
  • psychosoziale Folgen der Erkrankung (zunehmende Isolation)
  • ständige „Erklärungsnot“ aufgrund der nicht erkennbaren Behinderung und der relativ unbekannten Erkrankung
  • Gefährdung des Selbstbildes
  • Gefährdung von Partnerschaften

zu *) Allgemeine Stressoren (verlinkte) Quellen:
Erpenbach K., Schröder H. “Voll fertig! Bin ich nur müde oder schon krank?” VAK Verlag,2018.
https://www.netdoktor.de/stress/stressfaktoren/
Dagnostisches-centrum „Stress_macht_krank“

Verstärkungsmechanismen verschlechtern die gesundheitliche Situation

Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität) sind ein komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren. Sie können sich gegenseitig beeinflussen und verstärken 1). So wirken häufige Begleiterkrankungen von MCS wie z.B. Hyperakusis (Geräuschüberempfindlichkeit) 2) oder Tinnitus (Ohrgeräusche) 3)

  • zusätzlich belastend und damit stressverstärkend (bzw. reduzieren Stressresistenz)
  • umgekehrt verschlechtert Stress wiederum diese Beschwerdebilder

Weitere MCS-relevante Beispiele:

Stoffwechselstörung HPU / KPU:
(Hämopyrollaktamurie/Kryptopyrrolurie)

 

 „HPU und KPU zeigen sich in Phasen mit verstärktem Stress (körperlicher, sozialer oder seelischer Art) und führen fatalerweise dazu, dass von da an jede Art von Anforderung im System als erneuter Stress verstanden und beantwortet wird.“ 4)

Distress verschlechtert die MCS-Lage 5)
Psychischer Stress führt zur Bildung freier Radikale und forciert somit den oxidativen Stress:

„Somit gibt es eine Verbindung zwischen der Aktivierung der Stressachse und einer Herabsenkung der Geruchsschwelle bei MCS, die durch Dopamin vermittelt wird.“ 5)

Allergien wirken synergistisch auf die Ausprägung der mit MCS verbundenen Stress-Symptome.5) Die chronischen Entzündungsgeschehen des MCS-Syndroms verschlechtern die Situation zusätzlich.

 „Die von den Zellen des Immunsystems bei Entzündungsreaktionen abgegebenen Zytokine aktivieren also hormonale und neuronale Systeme der Stressreaktion in ähnlicher Weise, wie dies andere Stressreize tun. 5)“

Dysfunktion der neuroendokrinen Stressachse

Dauern die Stress-Situationen über einen längeren Zeitraum an, ist es irgendwann für das VNS nicht mehr möglich 1)

  • den Ausgleich von „Kampf und Flucht“ (Sympathikus) und
  • „Ruhe und Erholung“ (Parasympathikus) herzustellen sowie
  • die Kommunikation der Zellen untereinander umzustellen und die Energiespeicher wieder aufzufüllen.

 „Ein Dauer-Alarmzustand bewirkt Störungen des Systems und Dauerschäden. Außerdem ist es ein sich selbst verstärkender Prozess. Es genügen immer kleinere Reize, um eine Stressreaktion auszulösen und diese schließlich chronisch werden zu lassen.“ 2)

Chronischer Stress

  • gilt als wesentlicher „Krankmacher unserer Zeit“.
  • Bei so einer Daueraktivierung des Sympathikus erschöpfen sich schließlich im Körper alle Notaggregate
  • und die Störung im VNS bedingt, dass sich organische Krankheitssymptome manifestieren und chronisch werden. 1) 2)
  • Kann auch durch chronische Erkrankungen (z. B. Typ-2-Diabetes) verursacht werden 3).
  • Führt seinerseits zu chronischen Erkrankungen und zu einer hormonellen Erschöpfung. 2)
  • Die Langzeitprägung „Hochspannung“ erhöht die Stressanfälligkeit
    (-> reduzierte Belastungsgrenze!): bereits geringe Stressreiz können massive Stressreaktionen hervorrufen. 2)

Dauerhafte Regulationsstörungen des VNS führen in der Regel nach  ein bis zwei Jahren (!) zu einer Organ- oder Funktionsstörung im Organismus 4). Die durch chronischen Stress hervorgerufenen Schäden lassen sich nicht rückgängig machen. 3)

Die nicht abgeführten Stressenergien richten sich gegen einen selbst, können z. B. führen zu  1) 2) 5) 6) 7) 8)

  • Aufbau von Unruhe, Nervosität, Verspannungen
  • Verlust der Regenerationsfähigkeit und zunehmende Erschöpfung
  • Schwächung des Immunsystems und Anfälligkeit für Erkrankungen
  • Schädigung unseres Organismus (z. B. erhöhte kardiovaskuläre Risiken)
  • Störung der Balance zwischen schützenden Antioxidantien und aggressiven Radikalen -> oxidativer Stress!
  • Depressionen
  • Schädigung von Hirnzellen (-> Beeinträchtigung im Denken und sich Erinnern)
  • Mitochondriopathien und Multisystemerkrankungen
  • Reduzierter Herzvariabilität: der Körper stellt sich nicht mehr ausreichend auf innere und äußere Reize ein (sympathikotone Ausgangslage bei teilweiser Starre des Parasympathikus)

„Die Weltgesundheitsorganisation hat chronischen Stress zur größten Gesundheitsgefahr unseres Jahrhunderts erklärt“ (2009)
               (Verlinkte) Quelle: OpenPR Pressemitteilung von Medical Biophysics

Läuft der Parasympathikus auf Sparflamme, dann auch das: Verdauungs-, Hormon- und Immunsystem. 1) Die gesamt Balance des neuro-endokrino-immunologischen Gleichgewichtes ist gestört, der pathologische Entzündungsprozess schreitet voran und erhöht die Sensibilisierung gegenüber weiteren Stressreizen, zu denen auch Fremdstoffe zu zählen sind. Erhöhte Stresshormon-Konzentrationen haben wesentlichen Einfluss auf die Krankheitssymptome und das gesamte Krankheitsbild MCS. 9)

Fachvortrag „Störungen der Neuro-Endokrinen Stressachse“
Interdisziplinäres Umweltmedizinisches Kompaktseminar „Von der Anamnese zur Therapie“, Referent Dr. Claus Hermann Bückendorf, Video-Dauer ca. 28 Min

Die VNS-/HRV-Analyse (HRV = Herz-Raten-Variabilität)
erläutert von Dr.med. Stephan Bortfeldt, Allgemeinmediziner und wissenschaftlicher Mitarbeiter der MH Hannover, in diesem 6-minütigen YouTube-Video

Beispiele stressmedizinischer Labordiagnostik 10)
Diese umfasst je nach individuellem Bedarf Blut-, Urin-, Stuhl- und/oder Speichelhormonuntersuchungen zum
• Nachweis von belastenden und stressauslösenden Mangelerscheinungen (z.B. Vitamin- und Mineralstoffmangel)
• Nachweis stressbedingter Erkrankungen (z.B. funktionelle Organstörungen)
• Ausschluss organischer Erkrankungen (z.B. Entzündungen und Autoimmunerkrankungen)
• Ausschluss hormoneller Störungen (z.B. Schilddrüsenhormone, Geschlechtshormone: Östrogen, Testosteron etc.)
• Ausschluss zellulärer Stoffwechselstörungen (z.B. Nitrosativer Stress, Oxidativer Stress, Mitochondriopathien)
• Stresshormon-Diagnostik mittels Neurostresstest (z.B. Serotonin, Cortisol, Dopamin, Glutamat, Histamin)

Ist der Körper dauerhaft gestresst, ändert sich auch das Verhältnis von Stresshormonen und Stressbotenstoffen. Zur Diagnostik werden je nach Beschwerdebild verschiedene Parameter mittels einer Urinuntersuchung bzw. Speichelhormonuntersuchung im Neurostresstest überprüft.

Stressbewältigung

Stressregulation und Mitochondrienfunktion

Stressreaktionen stellen einen energieintensiven Prozess dar. Die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, sind entsprechend gefordert. Doch für die ausreichende Bildung von ATP (Adenosintriphosphat) benötigen sie die angemessene Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen. Diese stehen u.a. in Abhängigkeit von genetischen Gegebenheiten und werden u.U. durch chronische Entzüngungsgeschehen oder Expositionen beeinträchtigt. Lesen Sie mehr über Stress, Stressachse,  relevante Mitochondrienfunktion und genetische Polymorphismen sowie wichtige Nährstoffe in dem hier verlinkten Artikel von Dr. Kurt E. Müller, veröffentlicht am 25.02.2013 in Wissen OM:

Neben der Stärkung der körpereigenen Ressourcen (Mikronährstoffe), um die erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, können bewusste Entspannungs- und Regenerationsphasen in expositionsfreier Umgebung unterstützen. Beispiele hilfreicher Methoden:

Zentrum der Gesundheit „Klopfakupressur: Selbsthilfe bei Stress, Angst und Kummer“ :

Die Klopfakupressur ist eine Selbsthilfe-Massnahme zur Bewältung von Ängsten, Stress und Selbstzweifeln. Im Verlauf der Anwendung bessern sich oft nicht nur belastende seelische Zustände, sondern auch chronische körperliche Beschwerden. Hier weiterlesen:

Stressbewältigung durch Achtsamkeit – MBSR

Ziel ist es, die Selbstregulationsfähigkeit zu stärken, um ein Gleichgewicht herzustellen zwischen den Anforderungen des Lebens und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten: Ressourcen stärken, innere und äußere Helfer mobilisieren und die Selbstheilungskräfte fördern. Achtsamkeit (integriert ins praktische Leben) spielt in diesem Kontext eine ganz besondere Rolle. Quelle und weiterführende Informationen: die (hier verlinkte) Homepage von Dr. Banzhafs „Akademie der Achtsamkeit“ (incl. Audiodatein zum Download).
Dr. Harald Banzhaf im Interview zu diesem Thema auf YouTube:

Ergänzende Literatur

Trigeminus-Neuralgie

Der Nervus trigeminus ist u.a. dafür zuständig, Schmerzen im Bereich des Gesichts an das Gehirn weiterzuleiten. Bei einer dauerhaften Reizung meldet der Trigeminusnerv starke Schmerzen an das Gehirn, obwohl keine Schäden des Gesichts erkennbar sind. Dieses Krankheitsbild wird als Trigeminusneuralgie bezeichnet.7)

Es kommt zu sehr starken (meist einseitigen) Gesichts-Schmerzen, die blitzartig einschießen. Sie gehören zu den stärksten bekannten Schmerzen. In den meisten Fällen treten die Symtome in den Gesichts-Bereichen Ober-/Unterkiefer, Nase, Wangen und Kinn auf.1)  Auch ein Zucken der Gesichtsmuskulatur kann damit in Verbindung stehen sowie Zahnschmerzen.7)8)

Laut Dr. Claudia S. Miller ist bei MCS u. a. die Trigeminusneuralgie häufiger Ausdruck des Toleranz-Verlustes des neurologischen Systems gegenüber chemischen Stoffen.(vgl. 1997/ Miller CS. Toxicant-induced loss of tolerance. Addiction 2001; 96(1): 115-37).

Der Nervus trigeminus vermittelt taktile Empfindungen der Gesichtsregion und ist an der Duftwahrnehmung beteiligt. Man scheint über diese Nervenstränge hauptsächlich irritative Eigenschaften wie brennend, scharf (Capsaicin), beißend (Ammoniak), brenzelig, stechend oder adstringierend („pelziges“ Mundgefühl, gefühlsreduzierte Zunge) wahrzunehmen.2) Fast alle bekannten Geruchsstoffe reizen auch trigeminale Nervenfasern. Bei gesunden Menschen in höheren Konzentrationen. 3) Bei MCS-Betroffenen ist die Reizschwelle aufgrund der Hypersensitivität ja deutlich reduziert.
Dem Nervus trigeminus sind keine spezifischen Sinneszellen zuzuordnen. Die Reizaufnahme findet in den freien sensiblen Endbereichen des trigeminalen Neurons statt. Freie Nerven-Endigungen, die auf chemische Stimuli reagieren, finden sich im Auge und in den Schleimhäuten der Nasen- und Mundhöhle.2)

„Wachposten für schädliche chemische Stimuli.
Man kann das System als eine spezialisierte Komponente des schmerz- und temperaturempfindlichen somatosensorischen Nervensystems in Kopf und Nacken betrachten. Die gegenüber irritierenden Substanzen empfindlichen Schmerzrezeptoren des trigeminalen Systems helfen dabei, den Organismus auf potentiell schädliche chemische Stimuli aufmerksam zu machen, die eingeatmet wurden oder mit dem Gesicht in Kontakt gekommen sind.“ (Quelle: CSN Blog-Artikel von Karlheinz, 11. Mai 2009)

Schleimhautreizungen an den Augen und in den oberen Atemwegen werden als „sensorisch-irritative Wirkungen“ bezeichnet. Hier kann die sensorische Irritationsschwelle als Lateralisierungsschwelle*) bestimmt werden. Die Lateralisierungsschwelle basiert auf der eindeutigen Stimulation trigeminaler Nervenfasern in der Nase (Kobal et al., 1989, Hummel, 2000). 3)

*) Lateralisierung: 4)
Begriff der Entwicklungspsychologie -> Verlagerung von neuronal gestützten Funktionen auf jeweils eine bestimmte Hirnhälfte, es kommt dabei zu einer hemisphärische Aufgabenteilung von Gehirnfunktionen.

Laska et al. (1997) konnten hinsichtlich chemosensorischer Empfindungen zeigen,

  • dass trigeminale Empfindungen nicht allein durch die  Intensität  bzw. Stärke  der  Empfindung  geprägt  sind, 
  • sondern  dass  auch  hier  Substanzen  qualitativ  unterscheidbar  sind  (Laska,  2001).
  • Aber auch Aspekte  physiologischer  Unterschiede der  trigeminalen  Reizverarbeitung eine Rolle spielen [über  Aδ-  (stechend)  oder  C-Fasern  (brennend)  des  N.  Trigeminus  (Hummel,  2000)]. 6)

Die Trigeminus-Neuralgie unter dem Aspekt „Grad der Behinderung“ (GdB)“ gem. den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen unter
Pkt. 2.2 Sensibilitätsstörungen im Gesichtsbereich – Gesichtsneuralgien (z. B. Trigeminusneuralgie) – Stand Mai 2022 – 5)

  • leicht (seltene, leichte Schmerzen): GdB 0-10
  • mittelgradig (häufigere, leichte bis mittelgradige Schmerzen, schon durch geringe Reize auslösbar): GdB 20-40
  • schwer (häufige, mehrmals im Monat auftretende starke Schmerzen bzw. Schmerzattacken): GdB 50-60
  • besonders schwer (starker Dauerschmerz oder Schmerzattacken mehrmals wöchentlich): GdB 70-80

Alle Verlinkungen auf dieser Seite haben rein informativen Charakter und stellen keine Kauf-, Bezugsquellen- oder Behandlungs-Empfehlungen dar! Eine etwaige Ableitung und Umsetzung von Therapiemaßnahmen erfolgt ausschl. auf eigene Gefahr und Verantwortung und sollte immer mit einem qualifizierten Therapeuten abgesprochen werden.
Bei den ergänzenden Literaturhinweisen handelt es sich (wie auch bei obigen Quellverweisen) um eine unverbindliche Auswahl und keinesfalls um eine vollständige Übersicht!