In Europa werden schätzungsweise 200.000 Chemikalien verwendet. Der weltweite Chemikalien-Umsatz hat sich zwischen 2000 und 2017 mehr als verdoppelt und wird sich bis 2030 voraus-sichtlich nochmals verdoppeln. Gemessen am Volumen sind 3/4 der in Europa hergestellten Chemikalien gefährlich. Wissenschaftler erklärten, dass die chemische Verschmutzung eine planetarische Grenze überschritten hat. Ein UN-Umweltbericht vom Mrz. 2022 stellte fest, dass die chemische Verschmutzung mehr Todesfälle verursacht als COVID-19. Die tägliche Exposition gegenüber einem Mix aus toxischen Stoffen birgt zunehmend Gefahren für die Gesundheit.

Giftstoffe im Körper

„Menschen in Europa teilweise bedenklich hoch mit Schadstoffen belastet“

Weichmacher:
Es wurden bedenklich hohe Belastungen in der europäischen Bevölkerung nachgewiesen. In allen untersuchten Kindern und Jugendlichen wurden fortpflanzungsschädigende Weichmacher gefunden.

PFAS (polyfluorierte Alkylsubstanzen):
 Z. B. verwendet in beschichteten Pfannen sind in teilweise zu hohen Mengen im Blut vorhanden. Sie wurden im Blut aller untersuchten EU-Jugendlichen  nachgewiesen. Bei den Belastungen handelt es sich vorwiegend um bereits verbotene, jedoch äußerst langlebige Verbindungen.

Mischungen:
Es wurde eine Vielzahl von Industriechemikalien im Körper nachgewiesen. Die Bewertung der Auswirkungen dieses Chemikaliencocktails auf die Gesundheit ist Bestandteil aktueller Forschungen.

Das Jahrhundertgift: PFAS

Im bayerischen Altötting dürfen die Menschen kein Blutplasma mehr an andere spenden, weil es toxisch sein könnte. Sie haben hier zu viel PFAS im Blut. Eine Fabrik am Ortsrand arbeitete mit diesen Chemikalien. Diese gelangten in den Boden der Umgebung und so ins Grundwasser. PFAS werden eingesetzt, um verschiedenste Produkte mit einem „Antihaft-Effekt“ herzu-stellen: Outdoor-Kleidung, Kosmetik, Backpapier, Kunstrasen, Zahnseide und vieles mehr. (Weitere Infos auch  hier in der Schadstoff-Einzelübersicht auf dieser Seite)

Auch wenn die Produkte selbst bei richtiger Verwendung kaum gefährlich sind, entstehen Probleme bei Produktion und Entsorgung. PFAS stehen im Verdacht, schwere Krank-heiten auslösen zu können. Die EU prüft ein Verbot der Stoffgruppe. Der Reporter lässt sein Blut untersuchen. Hat auch er PFAS im Blut? Und ist das ein Grund zur Sorge? Das Video mit einer Dauer von ca. 32 Min. können Sie hier bequem über diesen Button aufrufen: 

Tattoos bergen Gesundheitsrisiko

Gesunde Tattoos gibt es nicht. Die Farben bestehen aus mehr als 100 Substanzen wie z.B. Konservierungs- und Lösungsmittel, Bindemittel, Antischaummittel, Flüssigkeiten und Farbpigmente (z.T. Ruß- oder Metalloxide). Über die Wirkung der Farben im Körper ist immer noch zu wenig bekannt. Aber: sie reichern sich in den Lymphknoten an. Und das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht die Gefahr, dass der Körper durch Schwermetalle belastet werden könnte. Lesen sie hier den vollständigen Bericht der DW-Akademie von  Gudrun Heise vom 09.09.2022 „EU-Verbot für weitere Tattoofarben rückt näher“

Endlager Mensch: Dr. Kurt E. Müller im QS24-Interview

Dr. Müller geht in diesem Interview u.a. auf folgende Aspekte ein

  • Im Gesprächsverlauf wird auch auf die unterschiedlichen Formen von Nanopartikel eingegangen.
  • Chemikalien (= fordern die eigene Körper-Chemie heraus) haben grundsätzlich eine andere Wirkung als Metalle (=strukturelle Herausforderung).
  • Die Psyche spielt in der Immunologie und Stressbewältigung eine Rolle, weniger in der BioChemie.

„Stress ist alles für den Organismus was er nicht im Normalbetrieb geregelt bekommt. Über die Umwelt wird im Körper permanenter Stress erzeugt.“

Das Video mit einer Dauer von ca. 26 Min. können Sie hier bequem über diesen Button aufrufen:

Schadstoffquellen im Alltag

Dr. Didier: umfassender Lehrvortrag

Dr. Didier informiert in diesem interessanten Lehrvortrag (FOM) über

  • Thematik Umweltmedizin (kurzer Einstieg)
  • verschiedene Schadstoffquellen in unserem Alltag
  • das Themenfeld der Entgiftung und wie man mittels natürlicher Produkte die Entgiftungsfunktion (der jeweiligen Phase) beeinflussen kann.

Das Video mit einer Dauer von 1 Std. 40 Min. beschert viele interessante Einblicke. Hier über YouTube abrufbar:

Schadstoffe im Alltag

In der Europäischen Union (EU) werden jedes Jahr etwa 300 Millionen Tonnen Chemikalien hergestellt. Davon werden 74 % von der Europäischen Umweltagentur als „gesundheits- oder umweltgefährdend“ bewertet. Somit sind ca. 12.000 Chemikalien in Alltagsprodukten zu finden, von denen die meisten als potenzielle endokrine Disruptoren gelten. Und fast jeder 5.  Stoff wird als potenziell krebserregend, erbgutverändernd und fortpflanzungs-gefährdend eingestuft.[1][2]

Chemikalien als Weltenbummler: Sind Dauergifte einmal freigesetzt, können sie große Entfernungen zurücklegen und wirken auch in Tausenden von Kilometern schädigend. Da die Substanzen sehr stabil sind, werden sie kaum abgebaut.[3] So belegt z.B. eine aktuelle Studie (08.2022) der Universität Stockholm, dass das Regenwasser weltweit gefährlich hoch mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien verunreinigt ist.[4] 

Alle 1,4 Sekunden wird eine neue Chemikalie entwickelt. Etwa 700 Industriechemikalien werden heute im Menschen gefunden, die bei unseren Großeltern noch nicht vorhanden waren. Ärzte bezeichnen Babys von Geburt an als „vorbelastet“. [1][2]

Alltagsschadstoffe wie Bisphenole, BFR, Glykolether, Parabene, PFAS, Phthalate und PVC sind z.B. enthalten in:[1][2]

  • Babyflaschen
  • Elektronische Geräte
  • Farben
  • Kleidung
  • Kosmetika
  • Lebensmittelverpackungen
  • Möbel
  • Reinigungsmittel
  • Schnuller
  • Spielzeug

Beispiele sog. Alltags-Schadstoffe inkl. kurzer Steckbrief

Alkylphenole
Eine Familie von organischen Verbindungen, die durch die Alkylierung von Phenolen hergestellt werden. Sie finden z.B. Verwendung in Hygieneartikel, Pestizidproduktion, Textil- und Lederverarbeitung. Gesundheitliche Auswirkungen können sich in einer Störung des Hormonsystems zeigen; außerdem in einer Verringerung der männlichen Fruchtbarkeit, der Hodengröße und Spermienqualität.

Asphalt
Besteht aus Gesteinsschutt, vermischt mit aus Erdöl erzeugten Bitumen. Bei Erwärmung (Ausbringen des Asphalts, Sonneneinstrahlung) können flüchtige organische Substanzen (Luftschadstoffe) abgegeben werden, die sogar die Emissionslast des Autoverkehrs übertreffen. Die Emissionen korrelieren mit dem Ausmaß der Erwärmung. Aber auch Sonnenlicht (UV-Strahlung) reicht aus, um die Asphalt-Ausdünstungen zu erhöhen (bis zu 300 % an einem Sonnentag). Unter den emittierten Substanzen befinden sich einer Studie zufolge diverse gesundheitsschädliche Stoffe wie Naphtalen, Pyren und Fluoranthen.

Benzol
ist im Benzin für Kraftfahrzeuge enthalten. Sobald man den eigenen Tank befüllt, hat man mit dieser gefährlichen Substanz Kontakt, die aus Tanks verdunstet. Das Entweichen von Benzol beim Tanken wurde in den letzten Jahren durch die „Gaspendelung“ gelöst. Der Hauptanteil der Belastung geht jedoch auf den Straßenverkehr zurück. Benzol ist Bestandteil der entweichenden Abgase aus dem Auspuff. Bei langfristiger Aufnahme führt Benzol zu Schädigungen der inneren Organe und des Knochenmarkes. Aber auch geringe Konzentrationen sind nicht unbedenklich, da dieser Stoff, bzw. dessen Abbauprodukt, im menschlichen Körper Krebs erzeugen kann.

Bisphenole
Bisphenol A wird vielfach verwendet, z.B.  in Nuckelflaschen, CDs,  DVDs, Kassenzettel aus Thermopapier (bis 2019), beschichteten Lebensmittelverpackungen, Konservendosen,  Plastikschüsseln. Schon in niedrigen Konzentrationen kann es sich auf das Hormonsystem auswirken. Aus Sicht des Umweltbundesamtes sind die als Alternativen verwendeten anderen Bisphenole (z.B. Bisphenol S) kein geeigneter Ersatz. Denn für die meisten Bisphenole besteht aufgrund ihrer chemisch sehr ähnlichen Struktur eine ähnliche Besorgnis hinsichtlich ihrer Effekte.

Bromierte Flammschutzmittel (BFR)
Gemische hergestellter chemischer Stoffe, die vielen Produkten zugesetzt werden, um sie schwerer entflammbar zu machen. Häufige Verwendung z. B. in Kunst- und Schaumstoffen, Textilien, Elektrogeräten, Leuchtmitteln, Fahrzeugen, Wärmedämmung und elektrischen Leitungen (Bauwesen). Die mit BFR behandelten Erzeugnisse (Gebrauch oder Entsorgung) kontaminieren die Umwelt (Luft, Wasser, Boden) und gelangen so in die Nahrungskette. Nachweislich vor allem in Lebensmittel tierischen Ursprungs wie Fisch, Fleisch und Milch sowie daraus hergestellten Erzeugnissen. Bei Nagetieren z.B. führt es zu angeborenen Missbildungen. Es kann das Nervensystem schädigen und zu Verhaltensstörungen führen. Auch BFR ahmt die Wirkung von Östrogen nach.

Feinstaubbelastungen
Primär: Emissionen aus KFZ, Kraft- und Fernheizwerken, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, bei der Metall- und Stahlerzeugung sowie Feuerwerken.
Sekundär: Emissionen gasförmiger Vorläuferstoffe, insb. die Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung.
Quellen im Innenraum z.B. Rauchen, Kerzen, Staubsaugen (ohne Feinstfilter), Bürogeräte, Kochen/Braten, offener Kamin, Holzöfen.
Bsp. möglicher gesundheitlicher Auswirkungen: Schleimhautreizungen, lokale Entzündungen (Luftröhre, Bronchien), Plaquebildung in Blutgefäßen, erhöhte Thromboseneigung, Einfluss auf die Herzfrequenzvariabilität

Glykolether
Stoffgruppe organischer Chemikalien, die auf Ethylenglycol oder Diethylenglycolals basieren. Verwendung z.B. als Lösungsmittel (insbes. Anstrichmittel), als Basis für Epoxydharze, in Textil- und Leder-Chemiekalien, bei der Herstellung von wasserbasierten Farben und Lacken, von Leimen und Papieren, in Klebstoffen, Reinigungsmitteln sowie in Frostschutz- und Hydraulikflüssigkeiten.  Die chemischen Stoffe können über längere Zeiträume aus Produkten freigesetzt werden. Z. T. nachgewiesene Wirkung auf das blutbildende System und die Reproduktionsorgane.

Kohlenmonoxid (CO)
Ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas, das bei der unvollständigen Verbrennung von Brenn- und Treibstoffen entsteht. Es bildet sich, wenn bei Verbrennungsprozessen zu wenig Sauerstoff zur Verfügung steht. Es beeinträchtigt als Luftschadstoff die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. CO ist ein starkes Atemgift und kann zudem Auswirkungen auf das Zentralnervensystem haben. Hauptquelle ist der Kraftfahrzeugverkehr. Lebensgefährlich ist aber auch das Indoor-Grillen (nicht nur  mit Holzkohle). Außerdem kann CO auch freigesetezt werden bei einem Kamin mit seinem Kamineinsatz, Pelletofen und Kaminofen. Erste Anzeichen für eine Gasvergiftung sind Kopfschmerzen, gerötete Haut, Schwindelgefühle und Ohnmacht.

Ozon
Das farblose und giftige Gas Ozon ist eines der wichtigsten Spurengase in der Atmosphäre. Die Ozonschicht schützt die Erde vor schädlicher UV-Strahlung. In Bodennähe entsteht das giftige Gas durch komplexe Prozesse insbes. bei starker Sonneneinstrahlung aus Vorläuferschadstoffen: überwiegend Stickstoffoxiden (Verkehr, Feuerungsanlagen, überdüngte Böden) sowie aus flüchtigen organischen Verbindungen /VOC (Lösemittel aus Farben, Lacken, Klebstoffen, Reinigungsmitteln usw.). Bsp. möglicher gesundheitlicher Auswirkungen: verminderte Lungenfunktion, Atemwegsbeschwerden, Verdacht krebsfördernd zu sein.

Parabene
Chemische Verbindungen, die besondere antibakterielle und fungizide Eigenschaften haben. Sie werden daher schon seit 80 Jahren als Konservierungsmittel eingesetzt, inbes. in Hautcremes, Duschgels und Kosmetika. Sie sind aber auch als Zusatzstoffe in Lebensmitteln (gegen Schimmelpilze und Hefen) zu finden. Parabene haben eine ähnliche Struktur wie das Sexualhormon Östrogen und damit eine hormonähnliche Wirkung. Sie können z.B. zu Schwankungen im Hormonhaushalt führen, sowie zu allergie-ähnlichen Symtomen, Atem- und Sehbeschwerden, Hautausschlägen. Menschen, die z.B. auf Salicylsäure reagieren, sollten beim Verzehr parabenhaltiger Speisen besonders vorsichtig sein.

Pentachlorphenol (PCP)
PCP ist ein Trigger beim MCS-Verlauf mit einem möglichen Erkrankungs-beginn auch nach jahrelanger Latenz (Desynchronisation). Das Mittel wurde eingesetzt z.B. zur Präparierung von Holzdecken in Wohnräumen und Kindergärten. Auch eine kurzfristige Exposition kann toxisch sein. Erkrankungen sind das End-produkt einer sich jahrelang summierenden Schädigung.  Mögliche Symptome z.B.: mentale Desorientierung, Reizung der Schleimhäute, Herzversagen, Atemlähmung. Halsentzündungen, Bronchitiden, Harnwegsinfektionen, Störungen des Nervensystems, Schilddrüsen-funktionsstörungen.  1989 erließ die Bundesregierung die PCP-Verbotsverordnung. Es bleiben aber die Belastungen, die bereits vor deren Inkrafttreten in die Umwelt abgegeben wurden und aus Auslandsimporten.

(Verlinkte) Quelle:
PCP-Informationsblatt des dbu

Perfluorierte Verbindungen (PFAS)
Gruppe von Industriechemikalien (ca. 4700 Substanzen). Sie besitzen eine hohe thermische und chemische Stabilität, sind zugleich wasser- und fettabweisend. Daher werden sie seit langer Zeit in vielen Bereichen eingesetzt, z.B. Verchromung, Halbleiter, Farben, Leder- und Textilbeschichtung, Schuhe, Teppiche, Verpackungen, Boden- und Autopflegemittel, Imprägnier- und Schmiermittel sowie im Haushalt. Der Nachteil dieser chemischen Verbindungen ist ihre Stabilität und Langlebigkeit, da viele PFAS toxisch sind und sich über die Nahrungskette sowie über die Luft in Organen anreichern. Einstufung als lebertoxisch, krebserregend und fort-pflanzungsgefährdend. Wirkungen z.T. auch auf das Immunsystem und den Cholesterinspiegel. Besorgniserregend: Weltweit ist sogar das Regenwasser gefährlich hoch mit PFAS belastet.(Weitere Infos und Videobericht hier im Abschnitt „Jahrhundertgift“ auf dieser Seite) 

Phthalate (Die „Überall-Chemikalie“)
Insbes. Weichmacher für Kunststoffe. Erst ihre Zugabe verleiht dem an sich harten und spröden Kunststoff Polyvinylchlorid (PVC) elastische Eigenschaften, Einsatz auch in der Produktion z.B. von Kabeln, Folien, Fußbodenbelägen, Duschvorhängen, Blutbeutel, (Infusions-)Schläuchen, Tapeten, Spielzeug, Sport- und Freizeitartikeln, Lebensmittel-behälter. Aber z. T. auch Verwendung als Geliermittel, Lösemittel und Fixierstoff in Kosmetika und Hygieneartikel, in Shampoos, Make-Up, Parfüm. Die verschiedenen Phthalate haben unterschiedliche Wirkungen auf den Organismus und gelten z.T. als höchst gesundheitsgefährdend. Sie können z. B. das Hormonsystem verändern, die Fortpflanzungs- und Entwicklungsfähigkeit beeinträchtigen, lebenswichtige Hormon-drüsen schädigen (Schilddrüse, Hirnanhangsdrüse), toxisch wirken (Leber, Hoden), Kinder im Mutterleib schädigen, zu Fehlfunktionen im Gehirn oder Immunsystem führen. Eine Studie stellt sogar einen Zusammenhang her mit einem vorzeitigem Tod. Es setzt sich die Auffassung durch, dass bestimmte Phthalate als Gruppe bewertet werden sollten, weil sich ihre Wirkungen addieren können. DEHP (Diethyhexylphthalat) muss in PVC-Artikeln in hohen Konzentrationen (10-40 %) verwendet werden. Da es nicht chemisch an das PVC gebunden ist, tritt ständig eine gewisse Menge durch Ausgasung oder Auswaschung aus. Weitere Informationen finden Sie z. B. auch im hier verlinkten Reach-Datenblatt Baden-Württemberg.

PVC (Polyvinylchlorid)
Der am wenigsten recycelbare Kunststoff mit vielen giftigen Zusatzstoffen. [1][2] Die PVC-Kunststoffe werden in Hart- und Weich-PVC unterteilt. Hart-PVC wird z. B. zur Herstellung von Fensterprofilen, Rohren und Schallplatten verwendet. Weich-PVC enthält Weichmacher, die zu einem elastischen Verhalten des Materials führen (Kabelummantelungen, Spanndecken, Bodenbeläge etc.). In Lebensmittel-Verpackungen ist Weich-PVC (ohne Sperrschichten) problematisch und für fetthaltige Lebensmittel unbedingt zu vermeiden. Der PVC-Ausgangsstoff (Vinylchlorid) kann Krebs erzeugen und Erbgut verändern. Auch andere Ausgangsstoffe sind bedenklich.  Die Weichmacher sind z.T.  leber-, nieren- und fruchtbarkeitsschädigend.

Schwefeldioxid (SO2)
Ein farbloses, stechend riechendes, wasserlösliches Gas, das Mensch und Umwelt beeinträchtigt. In der Atmosphäre aus Schwefeldioxid entstehende Sulfatpartikel tragen zudem zur Belastung mit Feinstaub (PM10) bei. Das Gas entsteht überwiegend bei Verbrennungsvorgängen fossiler Energieträger wie Kohle und Öl durch Oxidation des im Brennstoff enthaltenen Schwefels. Es  kann die Schleimhäute reizen, zu Augenreizungen und Atemwegsproblemen führen. Auch für das Ökosystem ist es schädlich. Es gelten strenge Grenzwerte, die nahezu flächendeckend eingehalten werden.

Schwefelhexafluorid (SF6)
Ist ein Gas für Spezialanwendungen. Es stammt aus industriellen Prozessen und kommt in der Natur nicht vor.  Als hervorragender Isolator wird es z. B. in Hochspannungsschaltanlagen eingesetzt. Es hat großes Potenzial  zum Treibhauseffekt beizutragen. Dieser entspricht in Deutschland z. B. einer Belastung, die dem innerdeutschen Flugverkehr entspricht (08.2022). SF6  ist ca. 25.000 Mal so klima-schädlich wie Kohlendioxid.  Insbesondere durch den Ausbau von Windkraft und durch den Bau großer Solarparks nimmt diese Belastung zu. Weltweit steigt die SF6-Konzentration in der Atmosphäre. Es gäbe (kostenintensivere) Alternativen für den klimaschädlichen Stoff.

Stickstoffoxide
Eine Sammelbezeichnung für verschiedene gasförmige Verbindungen, die aus den Atomen Stickstoff (N) und Sauerstoff (O) aufgebaut sind und aus unerwünschten Nebenreaktionen entstehen. Vereinfacht werden nur die beiden wichtigsten Verbindungen Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) dazu gezählt. Sie haben negative Umweltwirkungen und sind z.B. an der Feinstaubbelasung und der sommerlichen Ozonbildung beteiligt. Hauptquellen: Verbrennungs-motoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle. Die Luftbelastung kann zu Bronchienverengungen führen.

Toner-Nanopartikel
Über eine Milliarde Laserdrucker und Kopierer belasten weltweit die Atemluft von Menschen mit einem unsichtbaren, aber gefährlichen Mix aus Feinstäuben, Nanopartikeln und Schadstoffen. So können die mikroskopisch kleinen Toner-Nanopartikel, die aus Laserdruckern in die Atemluft freigesetzt werden, z.B. unsere genetischen und metabolischen Profile so verändern, dass Krankheiten wahrscheinlicher werden. Die Konzentration von Nanopartikeln, die während des Druck- und Kopier-vorgangs in der Luft freigesetzt werden, korreliert mit der Häufigkeit des Druckereinsatzes. Wichtig: Laserdrucker außerhalb des Arbeitsraumes platzieren sowie regelmäßg lüften. Für (Büro-) Räume, in denen Laser-drucker viel genutzt werden sollten regelm. Belüftungs- und Expositionskontrollen erfolgen.

Triclosan
Ursprünglich als antimikrobieller Wirkstoff für Krankenhäuser und die Chirurgie entwickelt. Doch inzwischen auch eingesetzt in einer Vielzahl von Alltagsprodukten, z.B.: Zahnpasta, antiseptischen Hautcremes, Kosmetika (Konservierungsmittel), Flüssigseifen, Deodorants, sowie in antimikrobiellen Textilien oder Kunststoff-Schneidebrettern für die Küche. Zwischenzeitlich wurden Triclosan-Belastungen bereits in Blut, Muttermilch und Urin von nahezu allen getesteten Menschen gefunden. Tier-Versuche deuten darauf hin, dass die Chemikalie nicht nur Muskelschwäche auslösen kann, sondern auch die Leber schädigt (womöglich sogar Leberkrebs begünstigt).

Zinnorganische Verbindungen – Organozinn Verbindungen
Sammelbezeichnung für metallorganische Verbindungen mit Zinn-Kohlenstoff-Bindungen. Einsatz u.a. als Antifouling-Mittel, Agrarchemikalie, Biozide, Bewuchshemmer, Holzschutzmittel im Schiffsbau, in Katalysatoren, als Katalysatoren bei z.B. Silikon-Herstellung, als Glasbeschichtung und  UV-Stabilisator von PVC. Darüber hinaus Verwendung in der Kleidungsindustrie (Funktionskleidung). Die toxischen Eigenschaften variieren und können sich gesundheitlich auswirken insbesondere auf die Nieren, das zentrale Nervensystem, Leber, Nebennieren, Thymus, Milz, Harnblase, Hoden und Nebenhoden. Steroidhormone können gebildet werden und eine Schädigung des ungeborenen Kindes erfolgen.

Offiziellen Umfragen zufolge machen sich viele Europäer Sorgen über die Auswirkungen von Chemikalien in Produkten: [1][2]

  • 84 % hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen
  • 90 % bezogen auf die Umwelt-Auswirkungen

Kinderprodukte

Acht von neun Kinderprodukten sind mit gesundheitsschädlichen Substanzen belastet.

Dem BUND zufolge sei besonders problematisch, dass der kindliche Körper über die Haut, den Mund und die Atemluft einen Cocktail verschiedener Schadstoffe aufnehme. Quelle und weiterführende Informationen: Artikel auf natur.de Alarmierende Laborergebnisse: Produkte für Kinder mit gefährlichen Chemikalien belastet“ (17.07.2015)

„Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass Kinderprodukte frei von gefährlichen Chemikalien sind. Die jetzigen gesetzlichen Regelungen reichen jedoch nicht, um Kinder wirklich zu schützen. Deswegen fordern wir, dass die Hersteller ihre Waren von unabhängigen Laboren untersuchen lassen – und zwar bevor diese auf den Markt kommen“, sagt die BUND-Chemieexpertin Ulrike Kallee. (Quelle: siehe links)

Mineralwasser

Damit sich ein Wasser „Mineralwasser“ nennen darf, muss es „seinen Ursprung in unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen“ haben. In einigen Mineralwasser-Sorten wurden Chemikalien und Pflanzen-schutzmittel nachgewiesen. Chrom, das z.T. gefunden wurde, wird z.B. als krebserregend eingestuft. Auch überhöhte Mengen von Radium wurden entdeckt. ÖkoTest bemängelt ebenfalls vereinzelt z. B. Belastungen mit

  • Chromat, Uran oder Bor
  • Z. T. sind Abbauprodukte von Pestiziden enthalten
  • Auch Mikroplastik ist (sogar in Glasflaschen) zu finden

Quellen und weiterführende Informationen:
merkur.de „Stiftung Warentest entdeckt Radium und Chrom in Mineralwasser“ (14.09.2021)
Mineralwassertest 09.12.2021

Medium-Wässer: Jede fünfte Quelle ist lt. ÖkoTest verunreinigt mit

  • Pestizid-Abbauprodukten
  • künstlichen Süßstoffen
  • Uran
  • Bor
  • Nitrat

Quelle und weiterführende Informationen: Mineralwassertest 15.10.2020

Stille Wasser im ÖkoTest: auch hier vereinzelt

  • Pestizid-Rückstände
  • Uran (kann Nieren und Lungen schädigen und sich im Körper anreichern)
  • Vanadium (Verdacht, krebserregend und schädigend für Keimzellen zu sein)

Quelle und weiterführende Informationen: Mineralwassertest 15.10.2020

Maßnahmen

Die große Entgiftung: EU kündigt größtes Verbot giftiger Chemikalien aller Zeiten an

Europa war 2018 der zweitgrößte Hersteller von Chemieprodukten weltweit mit einem Marktanteil von 16,9 %. Die Branche ist zentraler Zulieferer für das Gesundheitswesen, Bau, Autobau, Elektronik- und Textilindustrie. Auf dem Markt sind nach Angaben von Umweltexperten bis zu 100.000 Chemikalien, von denen die meisten in bestimmten Konzentrationen oder Formen auch schädlich sein können.

„Chemikalien gehörten zwar zum täglichen Leben, doch dürften sie Gesundheit und Umwelt nicht schaden“,  EU-Kommissionsvize Frans Timmermans 2020. [7]

Der EU Green Deal: die Umweltverschmutzung auf Null zu reduzieren.[1][2]

Ein Teilziel:  Tausende der berüchtigsten Chemikalien zu verbieten. Die bisher umfangreichste behördlich angeordnete Streichung zugelassener Chemikalien und Stoffe, gegen die Umwelt-, Verbraucher- und Gesundheitsgruppen seit Jahrzehnten kämpfen. 

Der Widerstand: Die Industrie hat gegen frühe Entwürfe der Pläne einen „Proteststurm“ ausgelöst und wird voraussichtlich versuchen, sie zu verwässern. Der Chemiesektor ist der viertgrößte Industriesektor in der EU, und einige der reichsten und mächtigsten Männer Europas sind Eigentümer dieser Unternehmen

Bisheriges Vorgehen: [1][2]

Traditionell regulierte die EU Chemikalien einzeln:

  • Ein Ansatz, der mit der raschen industriellen Entwicklung nicht mithalten konnte.
  • Industriepraxis: durch leichte Veränderungen entsprechende Verbote geschickt zu umgehen.
  • In den letzten 13 Jahren hat die EU rund 2.000 gefährliche Chemikalien verboten und war damit Spitzenreiter.
  • Diese Beschränkungen gelten jedoch nur für sehr wenige Produkte, wie Kosmetika und Spielzeug.

Der neue Fahrplan: [1][2]

Ein gruppenbezogener Ansatz für die Regulierung von Chemikalien, bei dem das schädlichste Mitglied einer chemischen Familie die gesetzlichen Beschränkungen für die gesamte Gruppe festlegt.

Europa wird die Beseitigung schädlicher Chemikalien also erheblich beschleunigen. Das EEB (EU-Umweltbüro) sagt voraus, dass mit dieser „großen Entgiftung“ bis 2030

5.000 bis 7.000 

der berüchtigtsten Chemikalien verschwinden werden, darunter alle Flamm-schutzmittel, Bisphenole, PFAS und PVC-Kunststoffe.

„Versprechen einer Revolution“ (Le Monde)[2]

„Brüssel will hart zuschlagen und weit zielen.“ (Les Echos)[1]

Ergänzende Informationen finden Sie auch auf unserer Seite zu einzelnen umweltbedingten Erkrankungen

Alle Inhalte und Verlinkungen auf dieser Seite haben unverbindlichen, rein informativen Charakter.  Es handelt sich (wie auch bei den angeführten Quellverweisen) um eine unverbindliche Auswahl und keinesfalls um eine vollständige Übersicht!