Beispielhaftes Foto eines Großraumbüros

Nach Schätzungen des HVBG leiden ca. 30 % der Büroangestellten unter SBS *). Es ist keine CoErkrankung von MCS im eigentlichen Sinn, sondern z.T. eine Vorerkrankung. Es handelt sich um temporäre oder permanente Beschwerden, die in Verbindung stehen mit Schadstoffen der Innenraumluft („Wohngifte“). Die Reizwirkungen treten in der Regel bei subchronischer Exposition auf (mehrere Wochen) und verschwinden bei Karenz. Die unspezifischen Symptome lassen nach Verlassen des Gebäudes rasch nach. Bei längerer Exposition können schließlich Chronifizierungen entstehen wie z.B. Schleimhautschädigungen, Allergien oder MCS.**)

Abk.: HVGB=Hauptverband der Berufsgenossenschaften
(Verlinkte) Quellen:
*) MedLexi.de
**)
Dr. Merz: Definition der Umweltkrankheiten

Was ist das Sick-Building-Syndrom (SBS)?

Besonders bei Menschen, die in Büros arbeiten, zeigen sich oft nach einer längeren Zeit am Arbeitsplatz oder nach Feierabend Symptome wie z.B.

  • Kopfschmerzen
  • Augenreizungen
  • Haut- und Schleimhautreizungen
  • Fließschnupfen
  • Konzentrationsprobleme
  • Schwindel
  • Husten.

Nach Verlassen des Gebäudes bessern sich diese Symptome in absehbarer Zeit wieder. Da diese Symptome aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten, ist die zweifelsfreie Diagnose nicht so einfach.*) Die Codierung gem. offizieller Krankheitsklassifikation des DIMDI im ICD-10 GM erfolgt mit T75.8 innerhalb des Kapitels XIX “Verletzungen, Vergiftungen“. (verlinkte Quelle: Ärzteinformation Dr. Merz)

Mögliche Ursachen können unterschiedliche Gebäude-Faktoren sein: 

  • Bodenbeläge
  • Möbel
  • Tapeten oder Wandfarben
  • Klebstoffe
  • Baustoffe
  • Holzschutzfarben
  • etc. 

Auch ungünstige Lichtverhältnisse, ein hoher Geräuschpegel und Luftfeuchtigkeit können zu Beschwerden führen, besonders Schimmelpilze und Hausstaubmilben können die Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit massiv einschränken und Allergien begünstigen.

SBS lässt sich oft nicht messtechnisch belegen. Hier erfolgt eine Abgrenzung zum Begriff „Building Related Illness“ (BRI).*)

 

Faktoren die mit SBSSymptomen in Verbindung gebracht werden:**)

Chemische Faktoren:

  • Tabakrauch,
  • Schwebstaub,
  • anorganische Gase (z.B. CO, CO2, NO2),
  • flüchtige organische Verbindungen (VOC),
  • Biozide,
  • Gerüche

Physikalische Faktoren:

  • Raumklima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lüftungsrate, Luftgeschwindigkeit),
  • Beleuchtung,
  • tieffrequenter Schall,
  • statische Elektrizität,
  • Ionen

Biologische Faktoren:

  • Bakterien,
  • Pilze und Produkte oder Bestandteile wie Endotoxine,
  • Mykotoxine,
  • MVOC (mikrobielle flüchtige organische Verbindungen; Stoffwechselprodukte, die von Schimmelpilzen an die Raumluft abgegeben werden.)

Personengebundene oder psychologische Faktoren:

  • Allergien, atop. Disposition, Asthma,
  • Stress am Arbeitsplatz (Überlastung, Monotonie u.a.),
  • Schlechte Arbeitsbedingungen,
  • Bildschirmtätigkeit,
  • Mangel an Einfluss-Möglichkeiten auf die Räumlichkeiten und die Arbeitsgestaltung

Differenzierung SBS und BRI

Sick-Building-Syndrom (SBS)

  • mindestens 20 Prozent der Angestellten klagen über entsprechende Symptome,*)
  • diese bessern sich außerhalb des Gebäudes *)
  • Problem der zweifelsfreien Feststellung (Messwerte)*)
  • ein kollektives Phänomen mit meist komplexen Ursachen.***)

Zur Abklärung: umweltmedizinische Beratung/Überprüfung, ob ein Einzel-oder Gruppenphänomen vorliegt. Gespräche mit Betroffenen mittels gezielter Erhebungen (Fragebögen) haben Vorrang vor einem ungezielten umweltanalytischen Messprogramm.***)

Building Related Illness (BRI)

  • Klinisch definiertes Krankheitsbild **)
  • Ursache und Beschwerdebild sind medizinisch erklärbar **)
  • Ursache ist nachweislich gebäudebezogen
    (z.B. Belastungen durch Keime oder Chemikalien) **)
  • Fortbestehen der Beschwerden mehrere Tage nach Verlassen des Gebäudes **)
  • Eine große Rolle spielen auch Bildschirmtätigkeit, die oft mit einer schlechten Sitzhaltung verbunden sind, Passivrauchen oder Elektrosmog durch Computer, Faxgeräte oder Kopierer.*)

Sowohl das SBS, als auch das BRI gehören zu den gebäudebezogenen Gesundheitsstörungen. Beide sind lt. Umweltbundesamt ein nicht zu unterschätzendes Problem der Innenraumhygiene. Neben Büros können auch Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Labore betroffen sein.*)

SBS Online-Artikel und Anregungen der Autoren

SZ Online, Artikel 03.2014 „Wenn das Büro krank macht“

„Ausdünstungen beispielsweise von Möbeln, Teppichböden oder Bürogeräten gelten als eine der Ursachen für das SBS. Neben chemischen Substanzen können aber auch biologische Stoffe wie Schimmel oder Staub die Symptome auslösen. Besonders häufig wird SBS allerdings in Zusammenhang mit Klimaanlagen gebracht.“

Verlinkte Quelle zum Weiterlesen

Artikel im Schweiz Med Forum Nr. 5 vom 29. Januar 2003:

„Gerade die Wärmeschutz-Massnahmen zur Energieeinsparung haben eine deutliche Verringerung der Luftwechselrate und damit eine verstärkte Akkumulation von Innenraum-Verunreinigungen bewirkt.“

Verlinkte Quelle zum Weiterlesen

 

Das SBS: Symptome, Ursachen, Heilungs- und Handlungsmöglichkeiten

Die TU Berlin im Gespräch mit Umwelt-mediziner Andreas Beyer (1999):

hier können Sie diesen Artikel online aufrufen

Empfehlungen für eine mögliche Risiko-Minimierung aus einem Artikel von Heinz Bartsch:

  • Ergonomische Gestaltung und Nutzung des Arbeitsplatzes,
  • regelmäßige Reinigung des Gebäudes,
  • regelmäßige Wartung der  raumlufttechnischen Anlage,
  • „Freiheit“ zur Beeinflussung des Raumklimas durch die Gebäudenutzer,
  • Minimierung relevanter Raumluftkontaminanten,
  • Ernstnehmen der subjektiv empfundenen Raumluftqualität und der auftretenden gesundheitlichen Beschwerden,
  • angemessene fachärztliche Diagnostik sowie arbeits- bzw. umweltmedizinische Betreuung von erkrankten Personen,
  • Transparenz bei Planung, Durchführung und Bewertung von Maßnahmen zur Feststellung und Behebung  gebäudebezogener Gesundheitsstörung
  • Vermeidung/Verminderung von Emissionen an der Quelle

Verlinkte Quelle zum Weiterlesen

Anregungen:

  • Machen Sie regelmäßig Pausen außerhalb des Gebäudes, indem Sie beispielsweise im Freien zu Mittag essen.
  • Öffnen Sie nach Möglichkeit die Fenster, um frische Luft zu schnappen (dies sollten Sie jedoch bei hohem Pollengehalt im Freien vermeiden).
  • Gönnen Sie Ihren Augen eine Pause, indem Sie von Ihrem Computer wegschauen, an Ihrem Schreibtisch stehen oder in Ihrem Büro herumlaufen.
  • Gehen Sie vorsichtig mit Chemikalien in Innenräumen wie Bleichmitteln und Insektiziden um.

Verlinkte Quelle: NCMHCSO Online-Artikel zum Weiterlesen