Nach Schätzungen des HVBG leiden ca. 30 % der Büroangestellten unter SBS *). Es ist keine CoErkrankung von MCS im eigentlichen Sinn, sondern z.T. eine Vorerkrankung. Es handelt sich um temporäre oder permanente Beschwerden, die in Verbindung stehen mit Schadstoffen der Innenraumluft („Wohngifte“). Die Reizwirkungen treten in der Regel bei subchronischer Exposition auf (mehrere Wochen) und verschwinden bei Karenz. Die unspezifischen Symptome lassen nach Verlassen des Gebäudes rasch nach. Bei längerer Exposition können schließlich Chronifizierungen entstehen wie z.B. Schleimhautschädigungen, Allergien oder MCS.**)
Abk.: HVGB=Hauptverband der Berufsgenossenschaften; Quellen: *) MedLexi.de, **) Dr. Merz: Definition der Umweltkrankheiten
SBS: Potenzieller Wegbereiter für MCS
Hier finden Sie einige Hinweise zu (Datum der letzten Aktualisierung 06.10.26):
Was ist das Sick-Building-Syndrom? (30.03.2022)
Was ist Building Related Illness (BRI) (06.10.26)
Differenzierung SBS und BRI (Kurzüberblick) (30.03.2022)
SBS Online-Artikel und Anregungen der Autoren (06.10.2026)
Was ist das Sick-Building-Syndrom (SBS)?
Temporäre Symptome eines SBS
Besonders bei Menschen, die in Büros arbeiten, zeigen sich oft nach einer längeren Zeit am Arbeitsplatz oder nach Feierabend Symptome wie z.B.
- Kopfschmerzen
- Augenreizungen
- Haut- und Schleimhautreizungen
- Fließschnupfen
- Konzentrationsprobleme
- Schwindel
- Husten.
Nach Verlassen des Gebäudes bessern sich diese Symptome in absehbarer Zeit wieder.
Da diese Symptome aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten, ist die zweifelsfreie Diagnose nicht so einfach.*) Die Codierung gem. offizieller Krankheitsklassifikation des DIMDI im ICD-10 GM erfolgt mit T75.8 innerhalb des Kapitels XIX “Verletzungen, Vergiftungen“. (verlinkte Quelle: Ärzteinformation Dr. Merz)
Gebäudefaktoren im SBS-Fokus
Mögliche Ursachen für die Beschwerden können unterschiedliche Gebäude-Faktoren sein:
- Bodenbeläge
- Möbel
- Tapeten oder Wandfarben
- Klebstoffe
- Baustoffe
- Holzschutzfarben
- etc.
Auch ungünstige Lichtverhältnisse, ein hoher Geräuschpegel und Luftfeuchtigkeit können zu Beschwerden führen, besonders Schimmelpilze und Hausstaubmilben können die Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit massiv einschränken und Allergien begünstigen.
=> SBS lässt sich oft nicht mit messbaren Schadstoffkonzentrationen belegen.
Faktoren die mit SBS–Symptomen in Verbindung gebracht werden:
Chemische Faktoren:**)
- Tabakrauch,
- Schwebstaub,
- anorganische Gase (z.B. CO, CO2, NO2),
- flüchtige organische Verbindungen (VOC),
- Biozide,
- Gerüche
Physikalische Faktoren:**)
- Raumklima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Lüftungsrate, Luftgeschwindigkeit),
- Beleuchtung,
- tieffrequenter Schall,
- statische Elektrizität,
- Ionen
Biologische Faktoren:**)
- Bakterien,
- Pilze und Produkte oder Bestandteile wie Endotoxine,
- Mykotoxine,
- MVOC (mikrobielle flüchtige organische Verbindungen; Stoffwechselprodukte, die von Schimmelpilzen an die Raumluft abgegeben werden.)
Personengebundene oder psychologische Faktoren:**)
- Allergien, atop. Disposition, Asthma,
- Stress am Arbeitsplatz (Überlastung, Monotonie u.a.),
- Schlechte Arbeitsbedingungen,
- Bildschirmtätigkeit,
- Mangel an Einfluss-Möglichkeiten auf die Räumlichkeiten und die Arbeitsgestaltung
(Verlinkte) Quellen:
*) MedLexi.de | **) Krank durch krankmachende Räume? (Fortbildungspräsentation des Umweltbundesamtes) | ***) allum Online-Artikel
Was ist Building Related Illness (BRI)
Auch hier wirken sich Gebäudefaktoren negativ auf die Gesundheit aus.
- Allerdings in Form klinisch klar definierter Kranheitsbilder. D. h. eine spezifische Krankheit, die ärztlich nachweisbar ist (z. B. Asthma, Allergische Alveolitis, Infektionskrankheiten).
- Nachhaltige Beschwerden: Die Symptome klingen nicht allein durch das Verlassen des Gebäudes wieder ab.
- Die Erkrankung kann auf messbare und damit nachweisliche Erreger oder Schadstoffbelastungen im Raum / Gebäude zurückgeführt werden.
- Typische auslösende Faktoren einer BRI:
- Biologische Schadstoffe: Schimmelpilzsporen (die z. B. chronische Allergien auslösen) sowie Bakterien wie Legionellen aus schlecht gewarteten Warmwasserkreisläufen oder Luftbefeuchtungsanlagen.
- Spezifische chemische Toxine: Extreme, messbare Belastungen durch giftige Baustoffe (z. B. Asbestfasern, Formaldehyd in krankmachenden Konzentrationen oder Holzschutzmittel wie PCP/Lindan).
(Verlinkte) Quelle: https://www.baunetzwissen.de/glossar/b/building-related-illness-1547143
Differenzierung SBS und BRI (Kurzüberblick)
Sick-Building-Syndrom (SBS)
=> unspezifische Beschwerden, keine nachweislichen Schadstoffkonzentrationen (ungeklärte Ursache)
- mindestens 20 Prozent der Angestellten klagen über entsprechende Symptome,*)
- diese bessern sich außerhalb des Gebäudes *)
- Problem der zweifelsfreien Feststellung (Messwerte)*)
- ein kollektives Phänomen mit meist komplexen Ursachen.***)
Zur Abklärung: umweltmedizinische Beratung/Überprüfung, ob ein Einzel-oder Gruppenphänomen vorliegt. Gespräche mit Betroffenen mittels gezielter Erhebungen (Fragebögen) haben Vorrang vor einem ungezielten umweltanalytischen Messprogramm.***)
Building Related Illness (BRI)
=> spezifische Erkrankung, nachweisliche Belastungen (geklärte Ursache)
- Klinisch definiertes Krankheitsbild **)
- Ursache und Beschwerdebild sind medizinisch erklärbar **)
- Ursache ist nachweislich gebäudebezogen
(z.B. Belastungen durch Keime oder Chemikalien) **) - Fortbestehen der Beschwerden mehrere Tage nach Verlassen des Gebäudes **)
- Eine große Rolle spielen auch Bildschirmtätigkeit, die oft mit einer schlechten Sitzhaltung verbunden sind, Passivrauchen oder Elektrosmog durch Computer, Faxgeräte oder Kopierer.*)
Sowohl das SBS, als auch das BRI gehören zu den gebäudebezogenen Gesundheitsstörungen. Beide sind lt. Umweltbundesamt ein nicht zu unterschätzendes Problem der Innenraumhygiene. Neben Büros können auch Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Labore betroffen sein.*)
Das Sick-Building-Syndrom steht laut WHO auch im Zusammenhang mit ****)
- der zunehmenden Innenraumabdichtung,
- dem Einbau raumlufttechnischer Anlagen und
- dem Einsatz neuartiger Bau- und Einrichtungsmaterialien,
- bürotypischme Expositionen wie Bildschirmtätigkeit, Lärm und schwierige raumklimatische Bedingungen
(Verlinkte) Quellen:
*) MedLexi.de | **) Krank durch krankmachende Räume? (Fortbildungspräsentation des Umweltbundesamtes) | ***) allum Online-Artikel
****) https://www.baunetzwissen.de/glossar/s/sick-building-syndrom-1541523
SBS Online-Artikel und Anregungen der Autoren
Wenn das Büro krank macht
„Ausdünstungen beispielsweise von Möbeln, Teppichböden oder Bürogeräten gelten als eine der Ursachen für das SBS. Neben chemischen Substanzen können aber auch biologische Stoffe wie Schimmel oder Staub die Symptome auslösen. Besonders häufig wird SBS allerdings in Zusammenhang mit Klimaanlagen gebracht.“ SZ Online, Artikel 03.2014, Verlinkte Quelle zum Weiterlesen
Das UBA informiert zu SBS
Seit Jahren beobachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besonders bei Menschen, die in Büroräumen arbeiten, dass diese sich nach längerem Aufenthalt am Arbeitsplatz und abends, nachdem sie das Büro verlassen haben, krank fühlen. Die Beschwerden verschwinden nach einer gewissen Zeit wieder, sobald sich die Betroffenen nicht mehr in den Büroräumen oder in den betreffenden Gebäuden aufhalten.
Luftqualität in Innenräumen
Die Innenraumluft vieler Haushalte in Deutschland ist mit Schadstoffen belastet. Beispiele sind Schimmel, Feinstaub und Radon. Erfahren Sie, welche weiteren Stoffe die Luftqualität in Innenräumen beeinträchtigen können und wie Sie sich schützen können.
Verlinkte Quelle zum Weiterlesen
Wenn Gebäude krank machen
top eins sprach mit Dr. Simone Peters vom Institut für Arbeitsschutz (IFA) über den Zusammenhang zwischen Arbeitsumgebung und dem Sick-Building-Syndrom. Verlinkte Quelle zum Weiterlesen
Empfehlungen für eine mögliche Risiko-Minimierung
Aus dem nachfolgend verlinkten Artikel von Heinz Bartsch:
- Ergonomische Gestaltung und Nutzung des Arbeitsplatzes,
- regelmäßige Reinigung des Gebäudes,
- regelmäßige Wartung der raumlufttechnischen Anlage,
- „Freiheit“ zur Beeinflussung des Raumklimas durch die Gebäudenutzer,
- Minimierung relevanter Raumluftkontaminanten,
- Ernstnehmen der subjektiv empfundenen Raumluftqualität und der auftretenden gesundheitlichen Beschwerden,
- angemessene fachärztliche Diagnostik sowie arbeits- bzw. umweltmedizinische Betreuung von erkrankten Personen,
- Transparenz bei Planung, Durchführung und Bewertung von Maßnahmen zur Feststellung und Behebung gebäudebezogener Gesundheitsstörung
- Vermeidung/Verminderung von Emissionen an der Quelle